NORTHLAND - Downfall and Rebirth


Die Band heißt Northland, das Album „Downfall and Rebirth“, die Schrifztüge auf dem Albumcover ähneln denen von Korpiklaani....da ist es klar, daß wir es hier mit einer weiteren Pagan/Folk Metal Band aus Finnland zu tun haben. Oder nicht.....? - NEIN !! Denn diese Band hier kommt aus dem sonnigen Spanien. Spanien ?  Da war doch was....Richtig, erst vor kurzem haben wir hier ein Album einer Folkmetalband aus Spanien reviewt. Incursed mit „Elderslied“.

Doch während man bei Incursed eher ungestüm in Wikingermanier eher Schlachtgesänge vernehmen konnte, wirkt das Album von Northland eher der ruhigeren Phase zu Hause im Nordmann-Lager zugehörig. Dies verdanken die Songs den sehr präsenten, hoch rührig melodischen Violinenthemen, die einen Hauptbestandteil der Musik von Northland einnehmen.  

In der Presse wird die Musik mit dem Zusatz Folk-/Death Metal bezeichnet....kann ich so nicht nachvollziehen. Zwar operiert der Gesang von Paul Murillo mit Reibeisenstimme, als Death-Growls würde ich dies aber nicht bezeichnen.  

Nach Vogelgezwitscher Intro, legt „When Nature Awakes“ ganz munter los. Der hohe Melodiefaktor kommt unvermittelt durch die Violine zum Einsatz, auch wenn der Song an sich Midtempo-Schnelligkeit der Ensiferum-Klasse an den Tag legt. Natürlich setzt man auf cleane Refrains, denn wir haben es hier ja schließlich mit nordischen Weisen und Sagen zu tun. Ganz nett anzuhören, aber etwas zu aufgesetzt.

Auch wenn mit einem guten heavy Riff wie bei „Bloodred Sunrise“ begonnen wird, die Streichinstrumente nehmen schnell die Härte, welche lediglich die...ok, nennen wir es halt mal Growls noch erzeugen. Das Akkordeon, daß sich dazu gesellt, bringt zusätzlich eine heimelige Atmosphäre eines Festes im Nordmanns-Dorf rüber, auf dessen Tanzfläche sich die Rauschebärte mit ihren Frauen vergnügen. Macht durstig !

„Together We Die“ befindet sich dann stellenweise im reinen Folk Modus, sehr oft soliert die Violine alleine ohne Begleitung. Wir sind also nach dem Fest endgültig am Lagerfeuer angekommen, wo man sich die Erlebnisse des letzten Schlachtzugs erzählt (?).  

...welches mit der ruhigen Akkustikgitarre und „The Rite“ instrumental endgültig ausklingt.  

So zockt man sich recht kompetent durch ein ordentliches, aber auch nicht übermäßig spannendes Folk Metal Album. Mal mit Feinheiten wie einer Maultrommel aufwartend („Fury's Unleashed“), dann mal mit Pianoparts und Blind Guardian Anleihen („Duskriders“), welches mit knapp 7 Minuten recht lang geraten ist und dadurch eine gewisse epische Anwandlung mit sich bringt. Nie waren die Chöre eingängiger auf diesem Album und die Musik symphonischer.  

„Spirit in Darkness“ könnte gar Santiano-Fans gefallen. Und dies ist nicht negativ gemeint. Die swingende Folk-Hymne lädt zum schunkeln und mitsingen ein. Natürlich sollte man eine Hand frei behalten für den gut gefüllten Humpen Met.

Höhepunkt ist dann der Titelsong „Downfall and Rebirth“.  Erzählerische Spoken-Word Parts, spannungsaufbauende Melodien, elegische Streicheleinheiten im Zwist mit den harschen Vocals....epische Momente allenthalben. Alle 10 Sekunden ertönt was anderes. Mal ein Piano, mal ein Barden-Chor, die Violine in verschiedenen Variationen....und zu nicht zuletzt eine angenehme Akkustikgitarren-Phase. Man hat das Gefühl mitten in einer nordischen Geschichte zu stecken. Nicht schlecht.

Bei „Moonlight Spell“ wartet man dann mit einer Elfe auf, die diese folkloristisch-schnulzige Ballade recht fein veredelt. Blackmore's Night lässt etwas grüßen. Tut niemandem weh, im Gesamtkontext vielleicht etwas zu rührselig.

Zum Abschluß geht’s mit „Newborn Star“ nochmal etwas mehr rund, wenn auch nicht zu schnell und hart.

Folk-Metal Fans werden der Musik von Northland sicherlich einiges abgewinnen können. Durch den hohen Anteil an Violin-Parts und anderer folkloristischer Instrumente, die meist im balladesken Stil auftauchen, klingen die Spanier doch um einiges anders, melodischer als vergleichbare Truppen wie Ensiferum oder Korpiklaani.  

Musikalisch kann man das Vorgetragene kompetent umsetzen, allerdings passen die Reibeisen-Vocals (von mir aus auch Growls) irgendwie nicht so recht zu den teilweise zarten Melodien. Vielleicht wäre hier Cleangesang die bessere Variante gewesen, um sich noch mehr von den genannten Bands abzugrenzen. Aber gut, schlecht ist's nicht und wenn zukünftig noch mehr Bands aus Spanien sich dem „nordischen“ Folk-Metal verschreiben und Finnen anfangen chillige Rockmusik für den Strandbesuch und Sonne, Sand und Meer zu spielen, sollte man überlegen, ob man die beiden Länder namentlich nicht tauscht.  

Kurzum, Folk-Metal Fans horcht rein ! Viel schlechter als die renommierten Acts ist die Musik nicht, allerdings auch nicht innovativ genug, um sich auf den ausgetrampelten Pfaden nachhaltig zu empfehlen. Für den (noch) Exotenstatus gibt’s einen Punkt obendrauf. 


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