OHRENFEINDT - Motor an !

Im Dezember feiern sie ihren Zwanzigjähriges, die Rocker vom Hamburger Kietz. “Motor An!” ist das siebte Studioalbum des Trios  (wenn man “Schmutzige Liebe (runderneuert)” von 2006 dazu rechnet). Als Vorbilder werden u.a. AC/DC oder Social Distortion genannt. Und das hört man dann auch. Live konnte ich die Band im vergangenen am zweiten Weihnachtsfeiertag erleben.

Aber nun ist es “Zeit für Rock’n’Roll”.

Und das Trio Infernale legt gleich richtig los. Lockere Gitarrenriffs donnern aus den Kopfhörern direkt auf die Ohren. Dazu die Reibeisenstimme von Chris Laut! “1910” ist eine Liebeserklärung an den Kult-Club vom Millerntor. Es dominieren erneut die Gitarrenriffs. Das Schlagzeug treibt voran. Der Refrain ist einprägsam und lädt zum Mitgrölen ein. Fast schon ruhig startet “Die Hoffnung stirbt zuletzt”. Rhythmus verleitet zum Mitschunkeln oder besser Headbangen. Passend zu dem locker flockigen Song gibt’s gegen Ende lalalala-Gesänge. Und ganz am Ende pfeift Chris sich eines. Alter, “Nimm die Kohle und renn” so schnell wie Du kannst. Ganz so schnell ist der Song zwar nicht, dafür wird im Mittelteil ein richtig geiles Gitarrensolo rausgehauen.

Also ich würde mir das nicht wünschen, “Gib mir mein Problem zurück”. Das muss schon ein ganz schlechter Problemlöser sein – wer Freunde hat wie Dich braucht seine Feinde nicht. Die Gitarren riffen locker vor sich hin. Und das Gitarrensolo klingt, als wäre es von Schulbub Angus persönlich. Schlagzeug und Akustik-Gitarre, so startet “Früh oder später”. Ein ruhiger Song. Erste in der Mitte des Songs braten die Gitarren so richtig los. Beim Titelsong “Motor An!” geben Ohrenfeindt dann wieder richtig Gummi. Die Luft erscheint benzingeschwängert, obwohl es eigentlich gar nicht um Auto oder Motorrad geht. Sein Baby heizt ihm ganz schön ein, und so gibt es dann auch ein kurzes heißes Gitarrensolo.

Danach wir es wieder balladesk. Der Text stimmt durchaus nachdenklich. Aber ein Beziehungs-“Aus” ist eben nicht so leicht zu verkraften. Ein sehr melodischer Song. Mein Favorit? Aber sicher ein der eindrucksvollsten des Albums. Dazu ein geniales Gitarrensolo. Aber das Ende des Tunnels ist in Sicht, denn jetzt kommt (u.a.) sie, und sie ist “Für Rock’nRoll gebaut”. Hier greift Chris zur Mundharmonika. Das gibt diesem Song einen bluesigen Touch. Dazu passt auch der Rhythmus, den Gitarre und Schlagzeug vorgeben. Tja, und den Titel des Rausschmeißers kann ich nur unterstreichen, “Reich würde schon reichen”. Das Schlagzeug treibt wieder voran, die Gitarren klingen zu Beginn unverzerrt. Der Refrain ist eingängig und lädt zum Mitsingen ein.

Da hat das Kiez-Trio wieder ein Hammer-Album rausgehauen. Ich glaube, so abwechslungsreich habe ich Ohrenfeindt noch nicht erlebt, von Vollgas über bluesig bis besinnlich. Die Texte sind sowieso einmalig. Das Album zu hören macht so richtig Spaß. Die Luftgitarre wird aus Schrank geholt. Ich freue mich jetzt schon wieder auf den rockigen Weihnachtsausklang im Grünspan in Hamburg.


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