ORDEN OGAN - Gunmen


Autor:  MC Lucius

Bewertung:  9 / 10

Tracklist:

  • Gunman
  • Fields Of Sorrow
  • Forlorn And Forsaken
  • Vampire In Ghost Town
  • Come With Me To The Other Side
  • The Face Of Silence
  • Ashen Rain
  • Down Here (Wanted: Dead Or Alive)
  • One Last Chance
  • Finis Coronat Opus


VÖ:  07.07.2017

Label:  AFM Records


Hier sind sie also wieder, die vier Metal Mönche des Orden Ogan. Zweieinhalb Jahre nach ihrem letzten Werk "Ravenhead" kredenzen sie uns zehn neue Geschichten um ihren Helden Alister Vale, der seit ihrem Debüt "Vale" von 2008 (davor gab's schon drei Demos und einen Longplayer, der in Eigenregie vermarktet wurde) der Protagonist ihrer episch - bombastischen Erzählungen ist.

Dieses Mal hat es Mr Vale in den wilden Westen verschlagen, wo er sich in "Gunman" (als Songtitel in der Einzahl, als Albumtitel in der Mehrzahl) als Revolverheld beweisen muss. Das gelingt ihm in dem kraftvollen, locker rockenden Opener, der bereits die typischen Trademarks der Sauerländer, also eingängige Refrains gepaart mit mächtigen Chören, orchestralen Tiraden und zackigen Gitarrenriffs auffährt, bestens.

Auch die zweite Single Auskopplung "Fields Of Sorrow" geht direkt ins Ohr und gefällt durch den powervollen Gesang. Man kann sich des Eindruckes nicht erwehren, dass Orden Ogan härter und dennoch melodischer klingen als jemals zuvor. Ihr Power Metal weist zumindest musikalisch (nicht gesanglich) Parallelen zum Thrash- bzw. Speed Metal auf. Eine Komponente, die Spaß macht und der Musik ein Alleinstellungsmerkmal verleiht.

"Folorn And Forsaken" und "Vampire In Ghost Town" spielen die gleiche Karte aus und unterstreichen damit, dass Sänger / Gitarrist, Texter, Komponist und Produzent Seeb Levermann seinen Platz im Metal Kosmos gefunden hat. Mit der fünften Nummer des Albums, "Come With Me To The Other Side" wird es, zumindest anfangs, mal etwas ruhiger. Für dieses Stück  hat man sich niemand geringeres als die norwegische Stimmakrobatin Liv Kristine ins Greenman Studio geholt, die nicht nur das sanfte Intro veredelt, sondern ihren Mezzo Sopran auch engelsgleich auf den Chorus sowie eine weitere Strophe legt. Sehr gelungen.

Den epischen Eindruck der typischen Orden Ogan Musik verstärken auch die Spielzeiten der einzelnen Songs. Acht der zehn Titel sind länger als vier Minuten, auch "The Face Of Silence" mit dem propagandistischen Chrorus "We Are, we are Future" knackt die 6 Minuten Marke. Gleich darauf folgen aber die beiden kürzesten Songs von "Gunmen", nämlich "Ashen Rain" (3:53) und "Down Here (Wanted: Dead Or Alive)" (3:15), welche allerdings zeigen, dass Seeb, Tobi (g), Niels (b) und Dirk (d) auch auf kompakte Art ihre Epik zelebrieren können.

"One Last Chance" kristallisiert sich schon bei den ersten Hördurchgängen als einer meiner Lieblingssongs heraus. Offen, transparent, lebendig - dieser Track macht keine Gefangenen. Hätte so auch schon auf der 2012er Scheibe "To The End" erscheinen können.

Das Ende krönt das große Werk - so die Übersetzung aus dem lateinischen "Finis Coronat Opus" - ist dann tatsächlich der große, würdige Abschluß eines Longplayers, der auf die Stärken der vorherigen Werke zurückgreift und sich gereift und ausgewogen präsentiert. Ebenso gelungen das Cover Artwork von Andreas Marschall, der auch den anderen Orden Ogan Platten ein visuelles Gesicht verlieh.

Der Vergleich zu Blind Guardian wird im Falle dieser Band natürlich gerne gezogen. Orden Ogan werden als die Kronprinzen der Krefelder bezeichnet, die gewaltig am Thron der Band um Hansi Kürsch kratzen. Und ganz ehrlich: mir war die letzte BG Scheibe ("Beyond The Red Mirror") einen Ticken zu sperrig. Wie solche Musik etwas wohldosierter klingen kann, zeigen Orden Ogan mit "Gunmen". Klasse Arbeit Jungs!