OVERHEAD - Live After All

Ob ein Konzert gut oder schlecht ist, dafür gibt es viele verschiedene Faktoren. Bühnen- und Lichtshow, Sound, ausgelassenes Publikum, Songauswahl und jede Menge mehr. Bei vielen Bands geht es aber leider soweit, dass die Show das wichtigste Element eines Konzerts ist und die eigentliche Musik mehr und mehr in den Hintergrund rückt.

Nicht so bei Overhead. Denn bei den Finnen steht eindeutig die Musik im Vordergrund. So verzichteten sie für ihren Konzertmitschnitt auf aufwändige Licht- und Pyroeffekte und ließen dafür die Musik sprechen. Nicht umsonst wählten sie als Location das Slaski Theater in Katowice, Polen. Zum einen sind polnische Fans bekannt dafür, tief in die Musik einzutauchen und sich nicht nur berieseln zu lassen, zum anderen bildet solch ein Theater den perfekten Rahmen für die komplexe Musik der Band.

Übermäßig Stimmung kommt bei den Voraussetzungen natürlich nicht auf, die Zuschauer sind größtenteils ruhig und applaudieren nur zwischen den Songs, aber gerade deshalb kann man sich ganz mit der Musik auseinandersetzen. Und wer jetzt denkt: „Dann kann ich mir auch gleich die Studioalben reinziehen“, dem sei gesagt, dass so ein Konzert naturgemäß ganz anders ist als eine Studioaufnahme, viel intensiver und atmosphärischer.

Overhead spielen Progressive Rock in der Schnittmenge von Pink Floyd, Jethro Tull zu „Thick as a Brick“-Zeiten und Riverside. Oder in anderen Worten: ausgedehnte Epen, großartige Melodien, garniert mit reichlich Querflöte und gutem Gesang von Alex Keskitalo (teilweise auch mit eingestreuten Growls). Die Setlist setzt sich aus Stücken der beiden Alben „Metaepitome“ und „And we’re not here after all“ sowie, als Zugabe, einem King Crimson Cover, namentlich „21st Century Schizoid Man“ zusammen. Bezeichnend dabei ist die Tatsache, dass die Zugabe der mit Abstand härteste Song des Abends dargeboten wird. Aber Overhead spielen den Song nicht einfach nur nach, sondern geben ihm auch eine eigene Note. So packt Alex mehrfach seine Growls aus und die Querflöte kommt natürlich auch nicht zu kurz. Eine beim ersten Hören etwas ungewöhnliche Interpretation, doch nach mehrmaligem Hören kommt man unweigerlich zum Schluss, dass es eine der besten Coverversionen, die jemals von dem Song gemacht wurde, ist. Aus Platzgründen ist er aber auf der CD nicht enthalten, sondern nur auf der DVD.

Als Bonus gibt es auf der DVD noch 6 weitere Livesongs, die alle zwichen 2007 und 2008 auf verschiedenen Konzerten mitgeschnitten wurden. Sound- und Bildtechnisch können diese Aufnahmen zwar nicht mit dem Hauptkonzert mithalten, da es sich hierbei eher um semiprofessionelle bis Amateuraufnahmen handelt, aber sie geben noch mal einen zusätzlichen Live-Eindruck der Band.


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