PANTALEON - Virus


Autor:  MC Lucius

Bewertung:  8,5 / 10


Tracklist:

  • Virus
  • Wake Up
  • The Condemned
  • Slaves To Ourselves
  • March Of The Titans
  • The Only One
  • Winter's Sun
  • Recovery


VÖ: 16.06.2017

Label:  SAOL

Oha, da kommt etwas auf uns zu. Etwas gewaltiges. Das Erstlingswerk einer Progressive Metal Band aus - Kölle. Ja genau, aus Köln. Aber das Ding klingt so verdammt international, dass man sich die Augen reibt und sich ungläubig fragt, wo die Jungs denn bis jetzt waren. PANTALEON - schon der Name klingt nach Prog und die Musik tut dann 54 Minuten lang ein übriges.

Als Einflüsse werden, wen wundert's, Acts wie Dream Theater, Symphony X, Helloween oder Iron Maiden genannt. Das umschreibt schon ganz gut den musikalischen Spielraum von Pantaleon, doch ist es der Band gelungen, ihrer Musik einen eigenen Anstrich zu verleihen. Dass da irgendwo auch Masterplan durchschimmert erscheint nur logisch, wenn man sieht, dass deren Drummer Kevin Kott auch bei den Kölnern auf dem Schemel sitzt und in "Slaves To Ourselves" kein Geringerer als Rick Altzi einen Gastauftritt als Sänger hat. Apropos Sänger. Das Album wurde noch von Patrick Sühl eingesungen. Der traktiert sonst bei den ebenfalls in der Domstadt ansässigen Gun Barrel das Mikro. Kurz vor dem Release von "Virus" hat man nun allerdings mit Till Sauer einen Vokalisten gefunden, der fest eingestiegen ist und den man fortan also auch bei allen Aktivitäten der Nachfahren des frühchristlichen, griechischen Märtyrers und Heiligen namens Pantaleon erleben wird.

Stimmlich sind die beiden sich recht ähnlich, wodurch keine allzu große Diskrepanz zwischen Album und künftigen Shows zu erwarten sein dürfte. Musikalisch werden all jene Geschütze aufgefahren, die bei einer Prog Metal Scheibe dazugehören und die man da auch erwarten darf. Also ebenso Nackenbrechende Elemente wie auch überraschende Breaks, Tempiwechsel und Bridges. Oder auch einmal kammermusikalische Sequenzen ("The Condemned") oder Hymnenhaftes ("March Of The Titans").

Für mich ein wahres Highlight ist der vorletzte Track "Winter's Sun", der auch bei 25 Grad im Schatten funktioniert. Und das obwohl wir es hier mit einem melancholisch - elegischen Stück Musik zu tun haben. Bassist und Songwriter Sebastian Heuckmann beweist damit, dass er sich auch auf die leisen Töne versteht. Das bezieht sich auf die Texte, die generell über dem platten "Here i am, come on and love me" Durchschnittsniveau angesiedelt sind, ebenso wie auf die musikalische Umsetzung. Kindheitserinnerungen, Zukunftsängste, Visionen - all das verarbeitet Heuckmann in seinen Songs.   

Ganz herausragende Akzente setzt auch Sechssaiter Xaver Schiffels, der es schafft, die jeweiligen Stimmungen einzufangen, egal wie hoch das Tempo auch sein mag. Stellenweise erinnert er mich da schon an John Petrucci (Dream Theater). Dass die komplexen Songstrukturen keine Dreiminüter zulassen, versteht sich von selbst. Da geht es bis hin zu 10 Minuten und 40 Sekunden, lange Schinken (wie es eine dem Rezensenten bekannte Webradio Moderatorin gerne ausdrückt) sind bei Pantaleon also an der Tagesordnung. Langweilig wird es dabei jedoch nie, es ist immer für genügend Action gesorgt. Also kein nerviges, verkopftes Gefrickel, sondern durch die Bank songdienliche Zutaten.

Hier liegt eine rundum gelungene Produktion vor, die ich jedem Prog Metal Fan nur ans Herz legen kann. Dazu passt das anspruchsvoll gestaltete Booklet bestens. Nur - ganz so düster, wie es das Artwork des Covers vielleicht suggeriert, ist die Musik inhaltlich nicht. Aber, ein wenig was zum optimieren braucht man ja für ein sicherlich geplantes zweites Album auch noch...

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