PARZIVALS EYE - Defragments

Sechs Jahre lang mußten die Fans von Parzivals Eye auf das Follow Up Album des Debuts "Fragments" warten. Da wurden schon Befürchtungen laut, es könne sich dabei um ein "one - off" Projekt gehandelt haben. Doch nun liegt endlich die zweite Scheibe vor. In logischer Konsequenz zum Erstling diesmal "Defragments" betitelt.

Hinter Parzivals Eye versteckt sich Chris Postl, seineszeichens ehemaliger Bassist der bayerischen Progger "RPWL", auf deren Bandeigenem Label Gentle Art of Music nun auch "Defragments" erscheint. Postl hat sich hierfür einige illustre Gäste ins Studio geholt.

Der Langdreher startet standesgemäß mit dem über zwölf Minuten langen "Reach the Sky", welches durch Tempiwechsel und einige soundtechnische Gimmicks den Spannungsbogen über die gesamte Laufzeit aufrecht erhalten kann.

Die beiden folgenden Stücke "Liar" und "Out on the Street" reihen sich irgendwo zwischen Art - und Neo Prog ein, Postl's Vorliebe für den Sound der 1970er Jahre kommt hier deutlich zum tragen. Dazu passt, daß sich beide Tracks sehr "britisch" anfühlen. Die Leadvocals werden dabei beinahe wie ein Instrument eingesetzt, was dem Ganzen eine eher unaufdringliche Note verleiht. Sehr interessant.

Zu den Helden des Multiinstrumentalisten aus dem Münchner Umland gehören die Prog Ikonen YES, deren "Long Distance" durch die Stimme der MAGENTA Sängerin Christina Booth veredelt wird.

Es folgen das etwas flottere "Lift me up" und das getragenere "Journeys", wobei vor allem letzteres von der exquisiten Gitarrenarbeit von Ian Bairnson (Alan Parsons Project, Kate Bush) lebt.  

Der Neuneinhalb Minüter "Walls in my Mind" startet mit Soundsamples die teilweise an Pink Floyd's "The Wall" erinnern, doch zur allgemeinen Überraschung präsentiert sich das Stück schließlich überwiegend im Folk Gewand. Also auch hier kein Gefrickel, wie es beinharte Progfans von einem Song mit dieser Spiellänge vielleicht erhoffen. Doch insgesamt orientiert sich Parzivals Eye sowieso eher am melodischen Artrock der Siebziger.

Aus jener Zeit kennt man natürlich auch noch Supertramp und auch diese Band zählt zu den Vorbildern von Chris Postl. Kaum verwunderlich also, daß auch sie mit einem Cover geehrt werden. Wiederum ist es Christina Booth, die "Two of us" ihre warme, melodische Stimme leiht. Ein ruhiger Titel mit erneut herausragender Gitarre von Bairnson.

"No Belief" als vorletztes Stück des Longplayers kommt flott und modern daher, während die acht Minuten des Rausschmeißers "Hiding out" wieder in unaufgeregten, ruhigen Gewässern segeln.  

Musikalisch ist "Defragments" über jeden Zweifel erhaben, die Stücke sind bis ins kleinste Detail ausgetüftelt und wohl gefeilt, wofür der Mastermind sich auch jede erdenkliche Zeit nimmt. Dabei besteht natürlich die Gefahr des überproduzierens, dem einen oder anderen Hörer mag das vielleicht zu glatt erscheinen. Was mich an dieser Platte stört ist der Gesang Postls, der mir zu wenig Charisma, zu wenig Aha Effekt offenbart. Dieser kommt zu brav rüber, wenngleich er so gut zur Musik zu passen scheint. Vielleicht aber sollte er (Postl) diesen Job in Zukunft einem "echten" Sänger überlassen.  


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