POETS OF THE FALL - Clearview

Die nächste positive Überraschung im Rockbereich.  Poets Of The Fall aus Finnland. Und wieder eine Band, die bisher spurlos an mir vorübergegangen ist, bzw. von der ich im Vorfeld noch gar nichts gehört hatte. Dabei gibt’s die Band schon seit 13 Jahren, hat bereits sechs Studioalben veröffentlicht und heimst in ihrem Heimatland eine Musikauszeichnung nach der anderen ein.

Dabei sollten die Finnen in Deutschland keine Unbekannten mehr sein, spielte man doch im letzten Jahr beispielsweise auf den Festivals Rockavaria und Rock im Revier. Da kommt auch nicht jeder so einfach hin, so daß man diesen Umstand durchaus als Hinweis auf Qualität bezeichnen kann.

Und die Musik von Poets Of The Fall hat diese Qualität, wie das neue Album „Clearview“ beweist. Zeitlos schöne Rockmusik mit Ausflügen in die Progszene, den AOR/Classic-Rock, manchen Alternative Spuren und grandiosen Melodien. Das macht der Opener und die erste Videoauskopplung „Drama For Life“ bereits deutlich. Abgehackte Rhythmen stehen einem guten Refrain gegenüber. Der charmant klare Gesang von Marko Saaresto wird mit ordentlich Nachhall unterlegt, was den Vocals einen fetten Sound beschert. Auch ein Spoken Words Part fehlt nicht, gute Einstiegs Nummer.

Im Wechsel von verhaltener Stimmung und flotteren Rhythmen präsentiert sich „The Game“. Im Hintergrund zementieren unterstützende Keyboards die Soundfläche, was dem Song im Zusammenspiel mit dem abermals guten Refrain erste Hitqualitäten spendiert. Zum ersten Mal richtig gänsehauterzeugend wird es bei „The Child In Me“. Ist der Beginn noch etwas poppig, verzaubern der träumerische Gesang und die tollen Melodien, inklusive Gitarrensounds der balladesken ProgRock-Szene. Flippige Computertöne treffen auf wunderschöne Melodien. Ein wahres Juwel bezaubernder Songs. Etwas fröhlicher, aber dennoch mit Klasse Refrain gesegnet geht es bei „Once Upon A Playground Rainy“ zu. Akkustikgitarren wechesel sich mit rockigeren Rhythmen ab, ein erneuter Spoken Words Part rundet diesen mehr Alternative Rocker ab.  

Im Weltklasseformat präsentieren sich Poets Of The Fall dann mit „Children of the Sun“. Alles startet verhalten mit einfühlsamen Vocals und zärtlichen Gitarrentönen, bevor der Song immens bombastischer wird und mit mehrstimmigem Gesang inklusive diverse Percussionbegleitung aufwartet. Irgendwie erinnert der Song ein wenig an die Folkrocker Runrig, ohne deren folkige Ausrichtung. Die tolle Gitarrenmelodie zum Schluß lässt keine Gefühlsregung offen.

Nach dieser emotionalen Meisterleistung kommt mit „Shadow Play“ ein flotteres, etwas chaotisch anmutendes Stück gerade recht. Der Song ist nicht ganz so eingängig wie bisher, kann dennoch mit ansprechendem Refrain überzeugen. Doch mit „Center Stage“ holt die Band zum nächsten Höhepunkt aus. Ein Song, der sich im Verlaufe im mehr steigert und im monumentalen Refrain gar an das Debut von Asia erinnert. Eine gehörige Portion AOR also, welche ein gewaltiger Soundteppich stabilisiert.  

Erneut sehr emotional wird die Band mit „The Labyrinth“, einer Ballade mit berührendem Gesang. Dem folgt mit „Crystalline“ ein semi-akkustischer, flotter Rocker, der nicht ganz die Klasse des übrigen Albums halten kann. Den Abschluß bildet mit „Moonlight Kissed“ ein mit Piano beginnender und mit tragisch-schönem Gesang fesselnder Drama-Song, der sogar nicht vor Streicher-Klängen im Hintergrund halt macht. Perfekter Ausklang, um den Hörer entzückt zurückzulassen.  

Poets Of The Fall haben mit „Clearview“ ein intensives Album herausgebracht, welches mit wunderschönen Klängen berührt, aber auch durchaus rockige Themen anbietet. Das wirkt trotz eingängiger Grundaurichtung nie kommerziell und besticht durch erstklassiges Songwriting. Ein, zwei kleinere Durchhänger gönnt man sich, aber der Großteil der 10 Songs sind wahre Perlen emotionaler Rock-Kunst. Ich würde die Musik nicht unbedingt als poetisch bezeichnen, aber nah dran sind die stürzenden Poeten auf jeden Fall. Ein klasse Album für Freunde anspruchsvoller Rockmusik. 


Bewertung: