PRIMORDIAL - Where Greater Men Have Fallen


Alan Averill hat sich in den letzten Jahren ziemlich publik gemacht. Sei es mit teils großartigen Projekt-Releases wie Twilight of the Gods oder Dread Souvereign, oder auch als Kolumnist von „neuen“ Printmagazinen wie dem Deaf Forever. Ist nichts dagegen zu sagen, außer daß der Herr dadurch so ein bisschen seinen mytischen, unantastbaren Charakter eingebüßt hat.

Zeit also, mit seiner Hauptband Primordial ein neues Album rauszuhauen, um den Kritikern einen vor den Latz zu knallen. Das Album nennt sich „Where Greater Men Have Fallen“ und wird keinen wirklichen Primordial-Fan enttäuschen.  

Dies bedingt allerdings, daß es zu dem 2011er-Geniestreich „Redemption at the Puritan's Hand“ keine großartige Kurskorrektur gibt. Manch einer meint sogar, daß Primordial sich mittlerweile zu sehr wiederholen und nichts Neues auf die Reihe kriegen. Dies ist aber wirklich Jammern auf allerhöchstem Niveau.  

Denn, gleich der Titelsong, der das Album eröffnet, hat alles, was ein Primordial Klassiker braucht. Ununterbrochene Gitarrenwand, Epik, Pathos und einen mehrstimmigen Refrain, fernab von jeglicher Austauschbarkeit. 8 Minuten vollster Folk-/Black-Kost, wie sie nur Primordial verabreichen können. Der Knachpunkt ist nur, daß hier bereits DER Song des Albums gleich zu Anfang kommt. Dagegen kann der Rest fast nicht mehr anstinken.

Ok, „Babel's Tower“, ein Song, welcher etwas gemäßigter erscheint, mit allerlei Doom-Elementen garniert, kann ebenso mit mächtiger, epischer Ausstrahlung glänzen und besitzt ein ganz besonders eingängiges Flair. Da auch dieser Song über 8 Minuten lang ist, hat man mit dem einleitenden Doppel bereits eine Viertelstunde bester Primordial-Unterhaltung hinter sich.  

Und diese Unterhaltung setzt sich in tragisch, theatralisch epischer Manier weiter fort. Teilweise etwas düsterer gestimmt („Come the Flood“), dafür mit erhabenen Gitarrenparts. Oder als fast blackmetallische Abfahrt wie bei „The Seed of Tyrants“. Über allem thront Alan's pathetischer Kreischgesang,den man von so vielen Primordial Alben zuvor schätzen gelernt hat.  

Langsamere Songs, Slow Downs scheinen seit dem Mitwirken Alans bei Twilight of the Gods mehr und mehr zum Thema zu werden. So fährt „Ghosts of the Charnel House“ beinahe in Sabbath Fahrwassern, zumindest sehr doomig zubereitet. Ähnlich auch „The Alchemist's Head“, wobei hier der Black Metal Keifgesang zu Beginn und zum Schluß nett überrascht.  

Mit knapp 9 Minuten ist dann „Born to Night“ der längste Song des Albums. Somit nicht überraschend, daß ein sehr langer Part (ca. 3 Minuten) mit akkustischen Folkgitarren die Nummer etwas langatmig einleitet. Als besonderes Merkmal kann der verstärkte Cleangesang von Alan genannt werden, der dem Song eine klassischere Note gibt. Verdammt starkes Teil !

Abschließend kann man sich diverser Gänsehautmomente nicht erwehren. „Wield Lightning to Split the Sun“ beginnt erneut akkustisch mit Gitarre und Drums und wirkt im Verlauf äußerst folklastig. Dies liegt sicherlich auch an dem zum größtenteil mehrstimmigen Gesang, der dem Song so etwas wie Feeling eines irischen Traditionals verleiht.

Primordial bewegen sich mit „Where Greater Men Have Fallen“ in der gleichen Schiene, welche die letzten Alben der Band auszeichneten und den Status der Band beträchtlich angehoben haben.

Einige überraschende Einschübe bewahren das Album vor bloßem Abkupfern der Vergangenheit und somit kann das Album den hohen Standard des bisher Veröffentlichten halten, aber auch nicht unbedingt verbessern, erhöhen...oder wie man es auch nennen will.

Tolle Songs sind vorhanden, mit dem Titeltrack hat man zudem ein weiteres Glanzstück der eigenen Historie herausragender Songs hinzugefügt.  

Alles beim Alten also ? - Ja, und das ist nicht unbedingt schlecht.


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