RAVEN - ExtermiNation

Raven sind wieder da – veröffentlichungstechnich, meine ich. Denn an der Live-Front waren sie ja jederzeit präsent. Sechs Jahre nach dem guten „Walk Through Fire“ bringt man ein neues Speedmetal-Geschoß unter die Leute. „ExtermiNation“ betitelt, fällt das coole Albumcover sofort ins Auge, mit einem Horror-Professor, der die Welt vergiftet. Zeitgenössisch würde ich mal behaupten.

Musikalisch legen die Herren Gallagher und Drum-Urgestein Joe Hasselvander mit „Destroy All Monsters“ (war da nicht mal ne Live-Platte gleichen Namens ?) Raven-typisch los. Unverkennbar waren der Gesang von John und die Gitarrenarbeit von Mark Gallagher ja schon immer. Und so merkt man auch hier sofort, mit welcher Band man es zu tun hat. Aberwitzige Gitarren-Parts, Riffing vom Feinsten, Speed-NWOHBM Anleihen allenthalben und ein Raven Refrain, wie man ihn auch von Frühwerken her bereits kennt. Raven machen dort weiter, wo man eigentlich auch nie aufgehört hat. Wer hier „Stagnation“ schreit, soll's halt tun.  

John Gallagher liefert allerdings nicht mehr die ganz hohen spitzen Schreie wie früher und wirkt in manchen Songs etwas rauher wie sonst. Accept, sprich Dierkschneider lassen ab und an grüßen. Trotzdem nach wie vor unverkennbar Raven und den ein oder anderen hohen Schrei gibt’s dann doch zu hören.

Prinzipiell könnte der ein oder andere der 14 neuen Songs (+1 Bonustrack) auch auf den legendären 80er Alben gestanden haben. Bei „Fight“ beispielsweise gibt’s mit einem Augenzwinkern gar die Textzeile „Rock Until You Drop“ zu bewundern. Aber man spielt durchaus auch mit neuen Sounds, wie am Anfang von „Battle March/Tank Treads (The Blood Runs Red)“ mit Marschgeräuschen und den folgenden Thrash-Riffings. Man findet aber dennoch schnell wieder in die markante Raven Spur.

So findet man auf „ExtermiNation“ viel Bekanntes neu aufbereitet („Feeding the Monster“), aber auch neue Elemente im Sound von Raven, die belegen, daß die Band schon im Hier und Jetzt lebt.

„Fire Burn Within“ zum Beispiel klingt wie eine Mischung aus „All for One“ und Accept zur „Balls to the Wall“ Zeit. Auch das ein oder andere „Tyrant of the Airways“ Zitat ist zu entnehmen, man höre nur den Gitarrenpart zwischendurch.

Das komplette Album durch gibt es keine Verschnaufpause, es wird gerifft, gerockt und der Raven Spirit ist allgegenwärtig. Mal mit mehrstimmigem Refrain („One More Day“), dann wieder mit Accept Vibes („Thunder Down Under“). Und mit dem letzten regulären Song „River of No Return“ hat man dann noch eine echte Überraschung parat. Halb-balladeske Klänge und Harmonien in Whitesnake Manier habe ich in der Art von Raven noch nicht gehört. Ein (fast) echter Radio-Hit würde ich sagen, na ja...ok...fast.

„ExtermiNation“ enthält 2 – 3 echte Raven Perlen, die sicherlich auch das Live-Repertoire adäquat ergänzen werden. Der Rest ist gewohnt stilsicheres, qualitativ hochwertiges Speed-NWOBHM-Raven-Futter. Songs wie „No Surrender“ oder „Silver Bullet“ werden keinen Raven Fan enttäuschen und es ist echt toll, zu sehen, daß diese drei Metal-Recken immer noch nichts verlernt haben und hauptsächlich live, aber auch mit neuen Alben am Ball bleiben.  

Raven, das ist zeitlose Musik und hat heute mehr denn je seine Berechtigung. Für meine Begriffe noch einen Tacken stärker als „Walk through Fire“. 

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