SANCTUARY - The Year the Sun Died

 

24 Jahre ist es her, daß mit „Into the Mirror Black“ das zweite und letzte Sanctary Album erschien.

Längere Zeit hatte es rumort, daß man an einem neuen Album arbeiten würde und jetzt ist es letztendlich erschienen. Das dritte der US Legende. Hört auf den Namen „The Year the Sun Died“ und wurde vom Original Line Up eingespielt.

Über die Beweggründe wurde bereits ausdrücklich diskutiert und auch das Zerwürfnis von Shouter Warrel Dane mit Jeff Loomis bei Nevermorehat sicherlich seinen Teil dazu beigetragen. Legitim ein neues Album unter dem Namen Sanctuary zu veröffentlichen, ist es allemal. Viele andere Bands, die weitaus weniger ursprüngliche Mitglieder vorweisen können, tun dies ja auch.

Musikalisch ist bei Interpreten wie Warrel Dane, Lenny Rutledge und Co natürlich alles im grünen Bereich. Traumwandlerisch sicher stampft man sich durch die elf neuen Stücken, angefangen beim hitverdächtigen „Arise and Purify“ über erhabene US Metal Eingängigkeiten wie „Let the Serpent Follow Me“ und düsterere Stücke wie „Exitium (Anthem of the Living)“. Melodien werden großgeschrieben, jüngere Interessierte werden verständlicherweise aufgrund des Gesangs von Warrel Dane die Band mit der Vergangenheit von Nevermore assoziieren. Die Musik von Sanctury ist aber bei weitem nicht so komplex und progressiv angehaucht, wie die von Nevermore.

Eingängige Songs sind Trumpf, auch wenn manche Ausflüge in punkto Thrash („Question Existence Fading“) eingestreut werden.

Ein zweites „Future Tense“ findet sich zwar nicht auf dem neuen Album, aber dies wurde von vornherein von den Bandmitgliedern ausgeschlossen. Jeder einzelne Musiker hat sich weiterentwickelt, Warrel Dane erreicht die schwindelerregenden Höhen der ersten beiden Alben nicht mehr, obwohl dies durchaus in kurzen Phasen aufblitzt. Die Gitarren von Rutledge treffen immer auf den Punkt genau die richtige Stimmung. Melodische Soli, langsamere Sequenzen („I am Low“) oder eben, wie erwähnt, härtere, thrashige Riffs, alles passt wunderbar zusammen. Das angesprochene „I am Low“ überzeugt mit toller Atmosphäre, von langsameren Gänsehaut-Momenten über harte Riffs und melancholisch tollem Refrain. Irgendwie kommt mir hier ein enormes Queensryche-Feeling auf. Bis auf den Gesang selbstverständlich. Starkes Teil.

Das man aber auch durchauf durchgehend flott zu Werke gehen kann, zeigt man bei „Frozen“. Abermals ein Song mit tollem, Refrain.

Lagerfeueratmosphäre kommt bei dem mit Akkustikklampfe intonierten „One Final Day (Sworn to Believe“) auf, der sich im Refrain zur mächtigen Düsterballade steigert.

Auf dem gesamten Album ist kein Qualitätsverlust zu verzeichnen, auch etwas halbgarere Songs wie „The World is Wired“, welches noch am ehesten an Nevermore erinnert, können absolut überzeugen und lassen das Album zu einer wahrlich runden Sache werden.

„The Dying Age“ wirkt gewollt etwas konfus, strahlt aber eine verzerrte Epik aus, die den Song zu einem künftigen Klassiker avancieren lassen könnte. Der Song bleibt nachhaltig im Ohr, auch wenn die Gitarren mehr aus den Boxen wabern, denn solieren. Extravaganz in Perfektion, klasse.

Nach dem 1 ½ minütigen, sphärisch düsteren Gitarren-Instrumental „Ad Vitam Aeternam“ wird das Album mit dem Titelsong beschlossen. Ein letzter Hybrid aus Schwermut, Düsternis, schweren Riffs und betörendem Refrain. Immer wieder erstaunlich, wie gut das Zusammenspiel der einzelnen Musiker das Gehörte zu Songs aus einem Guß werden lässt. Wer diesen Song hört, muß endgültig seine nostalgischen Bedenken zu Santuary ablegen. Metal vom Allerfeinsten !!

Ob man dieses Album nun unter anderem Namen hätte veröffentlichen sollen oder eben unter Sanctuary ist für mich völlig unerheblich. Natürlich erlebt man hier kein zweites „Refuge Denied“ oder „Into the Mirror Black“. Dafür hat die Musik in den vergangenen 24 Jahren eine zu große Entwicklung hinter sich, genauso wie die einzelnen Musiker selbst.

Es bleibt aber die Erkenntnis, daß man mit „The Year the Sun Died“ ein fantastisches, teilweise düsteres Heavy Metal Album hingelegt hat, an dem die ewigen Nörgler sich die Zähne ausbeißen werden. Ich jedenfalls hätte nie und nimmer ein derart starkes Reunion-Album erwartet, auch wenn Nostalgiker vielleicht nicht gerade Sanctuary als Banner akzeptieren.

Ein wahres Highlight 2014 !!

 

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