SEVENTH SIN - When Reality Ends

Die Benelux-Staaten sind ein wahrer Quell hervorragender Female Fronted Metal Bands. Beispiel gefällig? Die im Jahre 2003 gegründete niederländisch-belgische Band Seventh Sin. Nach der 2007 veröffentlichten EP “Darkest of all Dreams” erschien nun im Februar 2014, dem elften Jahres des Bestehens, das Debutalbum “When Reality Ends”.  Während ihrer langen Bandgeschichte standen sie bereits mit namhaften Bands auf der Bühne, wie Epica, Delain, Leaves’ Eyes oder auch Kamelot und waren mit Edenbridge auf UK-Tour.

Mit “Hysteria” startet das Album druckvoll. Treibendes Schlagzeug, Keyboard (e-Piano)-Melodien und Gitarrenriffs bilden die Grundlage des Songs, darüber thront der klare Mezzosopran von Sängerin Monique Op Heij. Gegen Ende des Songs folgt dann noch ein äußerst melodischer Gitarren-Part. Fast schon Soundtrack-artig mit dezenter Orchestrierung startet “Alone Again”, bevor rhythmische Gitarrenriffs einsetzen. Gesanglich gibt es hier das Wechselspiel von Moniques klarer Stimmen und den Growls von Gitarrist Roy Geelen. Das Ganze wird unterlegt von Streichern und treibendem Double Bass.

“Wings of Despair” startet düster, bevor auch hier wieder Streicher einsetzen. Passend zum Songtitel (“Flügel der Verzweiflung”) fallen die Riffs im gesamten Song etwas düsterer aus. Dazu passt dann u.a. auch die folgende Textzeile:  Unter dem blutroten Himmel Schatten des Lebens fallen.

“The Well” startet mit e-Piano-Klängen. Dann setzt die teilweise zerbrechlich wirkende Stimme von Monique ein, von Streichern dezent unterlegt. Später kommen Schlagzeug und bratende Gitarren dazu. Eine wunderschöne Power-Ballade. Bei “Bitter Taste Of Victory” ertönen zunächst Kampfgeräusche, man hört Granaten einschlagen, bevor Gitarren, Keyboard und Schlagzeug einsetzen.  Im Mittelteil gibt es dann ausgeprägte Keyboard-Parts. Zwischendurch hört man Schreie und Maschinengewehrfeuer. Der bittere Geschmack des Sieges Niemand wird gewinnen Das ist die bittere aber wahre Aussage dieses Songs.

Wenn ich die Wahl hätte, würdest Du Deine Stimme erheben? Habe ich einen Sinn in Deinem Leben Wir gelangen in die Dunkelheit, wir verkriechen uns aus Verzweiflung Wir fressen uns gegenseitig auf, aber niemanden interessiert es! Das sind die ersten Textzeilen des Songs “The Choice”, unterlegt von Double-Bass und Keyboard-Teppichen. Dazu gibt es wieder bratende Gitarrenriffs. Passend die bösen Growls des Gitarristen. “Silent Tears” beginnt wieder mit e-Piano-Klängen, die später dann von bratenden Gitarren abgelöst werden. Die zweite Ballade des Albums mit großartigen Riffs und auch etwas schnelleren Abschnitten.

In “My Honor” gibt es erneut den Wechselgesang zwischen weiblicher Klarstimme und männlichen Growls, die Verurteilte sieht keinen Ausweg und ihr Richter ist überzeugt das Recht hinter sich zu haben. Und noch eine Ballade, “Just An Ordinary Day” – ein ganz normaler Tag. Eine Frau erinnert sich an den Tod ihrer Tochter vor neun Jahren. Ein sparsam instrumentierter Song, lediglich Klavier und Streicher.   

Ein ganz besonderes Gestaltungselement gibt es in “The Screams”, eine zwei bis drei Sekunden lange Generalpause nach den Worten “Someone, make them stop”. Düstere Riffs untermalen den düsteren Text. Jede Nacht von schrecklichen Schreien geweckt zu werden, Alpträume zu haben – all das ist äußerst belastend.

Trotz der vielen düsteren Texte ist die Musik sehr häufig weniger düster. Ist das vielleicht der Hoffnungsschimmer, der einem bei all den Schicksalsschlägen bleibt? Auch wenn das Album kein Konzeptalbum zieht sich dennoch ein roter Faden durch die Songs. Trotz aller Eingängigkeit ist das keine leicht verdauliche Dutzendware. Komposition und Arrangements sind auf hohem Niveau, die Texte zumeist leicht verstörend. Ein überzeugendes Erstlingswerk! 


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