SIMEON SOUL CHARGER - A Trick of Light

Anscheinend ist die Band, um die es hier geht, von Akron/Ohio mittlerweile nach Bayern übergesiedelt. Warum ? Keine Ahnung. Aber es gibt natürlich einige Vorzüge, die man nur in Bayern genießen kann:  Oktoberfest, fesche Mädels in Dirndln, Bier usw. Da macht es Sinn, wenn man mit solch luftiger Musik, wie sie Simeon Soul Charger spielen, eben dorthin zu gehen.

Denn, das dritte Album der Band, „A Trick of Light“ strotzt nur so vor gute Laune Melodien. Zumindest meistens.  

So startet „The Prince of Wands (A Trick of Light) mit Hawaii-Gitarrenklängen (so nenne ich sie halt) und verbreitet irgendwie so etwas wie Urlaubsstimmung. Doch dabei bleibt's nicht, denn leichte Western-Gitarren wechseln sich mit Psychedelic Instrumenten ab und die recht hohe, leicht weinerliche Stimme von Aaron Brooks klingt sehr angenehm und relaxt.

Daß Simeon Soul Charger tief in den 70ern verwurzelt sind, beweist auch das folgende „Heavy“. Man könnte sogar meinen, einen französischen Chanson Noir zu konsumieren und einen Refrain, wie man ihn auch aus den 60er Jahren her kennt. Auch die Beatles sind sicherlich ein nicht unerheblicher Einfluß der Band. So klingt das luftige „Evening Drag“nach Piano Einführungsphase sehr nach den Pilzköpfen aus Liverpool. Passend dazu beendet man den Song mit etwas Stimmengewirr und klatschenden Menschen.  

Die Musik der Neu-Bayern ist zu jederzeit stimmungsgeladen. Bei „How Do You Peel“ (Wahnsinns-Songtitel !!) kommt nach anfänglicher Akkustik-Klampfe und himmlischen Keyboards gar eine weihnachtliche (kein Witz !) Atmosphäre auf. Die tragisch-traurigen Gesangslinien und die wiederkehrenden Hawaii-Gitarren tun ihr Übriges. Zum Ende hin kommt aber dann doch die eigentliche Psychedelic Ausrichtung der Band zum Tragen und Wah-Wah-Sounds in Kombination mit der Rhythmusführung erinnern etwas an R.E.M.

Die Vielseitigkeit von Simeon Soul Charger beweist man mit „Where Do You Hide“, in dem man die Klampfen tiefer gestimmt hat und düster-akkustisch zu Werke geht. Der rein instrumentale Song bietet durchaus einige ProgRock-Facetten. Frühe Pink Floyd fallen mir hier ein.

Etwas sperriger folgt danach die Hymne zur Arbeit. „Worker's Hymn“ verwurstet am Anfang diverse Maschinengeräusche und verzapt irgendwie komische Orgelsounds. Zudem erinnert die Arbeit mit fuzzy Gitarren und auch der abgefahrene, verzerrte Gesang an diverse französische B-Movies der 70er. Keine Ahnung, warum ich immer wieder auf Frankreich komme...Alles in allem die perfekte Vertonung eines hektischen Arbeitstages.

Ein weiteres Instrumental leistet man sich mit „The Illusionist“. Eine flotte Psychedelic Nummer im Wechsel mal harmonisch, dann wieder disharmonisch. Nicht gerade zwingend, tut aber auch nicht weh.  

Der Flower Power Bewegung huldigt man mit „Jane (A Bird in Flight)“. Blumig, luftig...freie Liebe, yeah !!

Da muss man ja im Anschluß mit „I Put A Spell On You“ wieder düsterer operieren und in bester Stoner Manier losstauben. Der Song erhält eine große Led Zeppelin Schlagseite (auch im Gesang) und gewinnt zunehmend an bluesigen Rhythmen. Insgesamt ist der Song aber um Einiges zu lang.

Beim abschließenden „Floating Castles“ fühle ich mich ein ganz klein wenig in die Rocky Horror Picture Show versetzt. Recht abgefahrene Nummer, mehrstimmige Refrains a la Pink Floyd und ein folkiger Abgang. Kann sich jeder selbst sein Urteil bilden.

Das Album von Simeon Soul Chargers kann trotz tiefer Wurzeln in den 70ern durch Vielseitigkeit überzeugen. Natürlich ist das kein Metal und auch nur noch bedingt Rockmusik. Aber der herrliche Flashback zieht zumindest die ältere Generation in seinen Bann. Trotzdem dürfen auch jüngere Leute die Band durchaus mal anchecken. Trotz der angestaubten Spielweise gibt es viel zu entdecken.  Willkommen in Bayern !! 


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