SIMO - Let Love Show The Way

Mir schwante Fürchterliches, als ich diese Promo in den Händen hielt. Das Artwork und der Albumtitel „Let Love Show The Way“ versprach irgendwas in der Art von Hippie-Musik, Harpo oder Blumenkinder-Fröhlichkeiten. Nichts deutete zuerst darauf hin, daß wir es bei Simo mit einer waschechten Blues, Rhythm'n Blues in Verbindung mit Jazz Kapelle zu tun haben.

Glücklicherweise entpuppte sich das Ganze recht schnell als Finte und ich konnte mich sogleich beruhigen und den Puls herunterfahren. Obwohl der Puls schon auch oben bleiben kann, bei den erdigen, rhythmisch hervorragenden Songs, die Simo auf diesem, ich glaube zweiten Album bieten.

Simo sind die Band von JD Simo, Gitarrist und Sänger, der zusammen mit Bassist Elad Shapiro und Drummer Adam Abrashoff ein Trio höchster Authenzität bildet. Beheimatet in Nashville/TN konnte man als erste Band in Ga's Big House, dem Zuhause der Allman Brothers, aufnehmen. Eine Ehre, die JD gleich mal dazu veranlasste, die hauseigene 1957 gold-top Les Paul von Duane Allman auf jedem Song zu verwenden. Alle Songs wurden zudem in Ursprungsform aufgenommen, ohne jegliche Overdubs oder Ähnlichem. So zumindest steht es im Infozettel geschrieben.

Und hört man die Songs, glaubt man das gerne. So eröffnet der „Stranger Blues“ sehr vintage-mäßig und gitarrenlastig, wobei manch schräge Klänge, die aber jederzeit zum Song passen, den etwas jazzigen Anstrich verleihen. Auch das folgende „Two Timin' Woman“ schlägt in eine ähnliche Kerbe. Viele einfach gestrickt Rhythmen, wie bei „Can't Say Her Name“ lassen die Songs direkt Fahrt aufnehmen und meist zügig auf den Punkt kommen. Hier und da mal ein Zitat aus dem Stoner Bereich, oder mal fuzziger Gitarrensound („I Lied“) mit richtig schön whiskeygeschwängerten Vibes und Staub schluckendem Schweiß. JD ist ein Experte, aus den Gitarren den möglichst authentischsten Sound herauszuholen. Dies nicht nur im Blues Bereich, sondern auch mal hardrockig, oder hippie-mäßig (ja, dann halt doch mal) mit fröhlichen Melodien und blumigem Gesang („Please“).

Es macht einfach Spaß, solch lässige Hüftnummern wie „Long May You Sail“ oder stranges, jazziges Material wie „I'll Always Be Around“ zu hören.  

Für die Musiker unter uns gibt’s dann beim beinahe 10-minütigen „I'll Rather Die In Vain“ eine Rhythm'n Blues Session vom Feinsten. Rockig mit Southern Vibes, tiefer gestimmter Gitarre, klirrenden Sounds und einem etwas verrückten Gitarrensolo.

Ausklingen lassen's Simo dann regulär mit der Akkustik Nummer „Today I'm Here“. Doch damit nicht genug. Drei Bonussongs gibt es quasi noch als Zuschlag. Darunter der Song „Let Love Show The Way“. Warum der Titelsong des Albums ausgerechnet als Bonus auf der Scheibe landete....keine Ahnung. Vielleicht liegt's etwas an der proggigen Note, die nicht ganz so richtig zum Hauptalbum passt. Desweiteren gibt’s mit einer weiteren, diesmal 13-minütigen Jam-Session „Ain't Doin' Nothing“ und einem nochmaligen Akkustik Stück „Please Be With Me“ reichlich viel Nachschlag als ZUgabe. Ich zähle diese drei Songs einfach mal zum regulären Album hinzu.

Somit hätten wir 13 Songs mit feinstem, hausgemachtem Rhythm'n Blues, angereichert mit Elementen aus Jazz, Southern Rock und Vintage Sounds. Für Easy Listener und Instrumentalfanatiker ist gleichsam etwas dabei und die Ausgewogenheit ist trotz aller basischen und Staub atmenden Atmosphäre ein großes Plus von Simo. Neben den unüberhörbaren musikalischen Fähigkeiten aller drei Musiker, allen voran der des Namensgebers JD Simo.  

Bands wie Simo stehen nach wie vor hoch im Kurs, was nicht zuletzt die in Kürze anstehende Europa-Tour der Band beweist. Für schlappe 25 Euro kann man sich in die bluesige Welt versetzen lassen und es braucht somit keiner überteuerten Bonamassa-Konzerte, um erdigen, lebendigen Blues auf höchstem Niveau zu erleben.  Was die Aufmachung des Albums betrifft, bin ich aber nach wie vor geschockt.  Bitte nicht täuschen lassen !!


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