SOBER TRUTH - Locust Lunatic Asylum


Autor:  Kerbinator

Bewertung:  8,5 / 10


Tracklist:

  • Introduction
  • Leave The Locust In The Lunatic Asylum
  • Paragon
  • Murphy's Law
  • Powergenerator
  • Welcome To Majula
  • Collapse
  • My Enemy
  • Layer Of Self
  • Procrastination
  • Cold Chapter
  • Sober


VÖ:  07.04.2017

Label:  Taktart Records

Nimmt man die „New Slavery World (EP)“ hinzu, handelt es sich bei „Locust Lunatic Asylum“ um das vierte Werk der Siegburger Formation Sober Truth. Ich weiß noch, wie mich damals „Outta Hell“ geplättet hat und ich sofort ein Shirt der Band haben musste. Das Album ist von 2009...und das Shirt hab ich immer noch an ohne großen Qualitätsverlust (trotz oftmaligen Waschens). Widerstandsfähig eben....genau wie die Band auch.

Sober Truth sind eine Band, die keine Kompromisse eingeht, ihr Ding durchzieht und einen Feuchten darauf gibt, was die Kommerz-Gesellschaft von heute davon hält. Musikalisch beziehen die Siegburger ihren Reiz aus der Verknüpfung mehrer Stilarten, meist in Thrash Gewand gezimmert, aber auch Melo-Death, Punk, kurze Industrialmomente und sogar Prog sind den Jungs nicht fremd. Natürlich ist ein durchgehender „roter Faden“ in den Songs dadurch ausgeschlossen, aber Sober Truth operieren straight genug, um nicht verkopft oder zu strange zu klingen.  

Oberhaupt und Sänger, Torsten Schramm (der sich auch schon mal Schramm(stein) nennt), visuell eine Art derberer Jürgen Klopp (sorry Torsten !), besitzt eine ganz eigene Art von Stimme. Sie wirkt meist abgefahren unkonventionell, manchmal growlig death-lastig und dann wieder wavig clean. Alles nur nicht kommerziell. Manche könnten damit ihre Probleme haben, ich behaupte, die Stimme von Schramm's Torsten passt wie die Faust auf's Auge zur Musik.  

Die neuen Kompositionen sind ähnlich gelagert wie auf den früheren Alben. Nach einer kurzen, verträumt verklärenden und dann spacigen „Introduction“, folgt schon der Quasi-Titelsong „Leave The Locust In The Lunatic Asylum“. Melodisch beginnend brilliert die Band durch einen coolen Marsch-Rhythmus und Schramm's Gesang zwischen Death Growls und Thrash Shouts. Teils getriggerte Drums peitschen ein und zum Schluß kehrt das Melodische zurück.

„Paragon“ fällt danach etwas düsterer aus. Shouts wechseln sich hier mit wavigem Darkrock-Gesang ab und derbe Thrash Riffs sorgen für die gesunde Portion Härte. Ein äußerst giftiger Song. Daß Sober Truth meist amtlich grooven können, zeigen sie bei „Murphy's Law“. Eine schnelle Nummer mit ordentlich...ja...Groove der zum Ende hin gar leicht blackmetallisch wird.

Beim „Powergenerator“ fährt man die Geschwindigkeit ins Midtempo zurück und die Riffs besitzen einen leichten Maiden-Touch. Dafür klingt Torsten hier mega abgefahren und (abermals sorry...) versoffen. Ihm folgt der Stampfer „Welcome to Majula“ - Thrash Metal pur, wobei der Gesang aber auch durchaus mal nur geflüstert wird.

Damit die Melodien nicht zu kurz kommen, haut Gitarrist Marvin Creek immer mal wieder eine schöne Saite raus, wie beim Midtempo Melodic Rocker „Collapse“, der tierisch groovt. Und auch beim Street Rock'n Roller „My Enemy“ begeistert die atmosphärische Gitarre.  Umso düsterer legen Sober Truth wieder mehr Wert auf Dark Wave bei „Layer Of Self“, wobei der Refrain in diesem Song doch recht eingängig ist und eine tolle Gitarrenmelodie aufwartet. Ein Song, der in die Füße geht.  

Progressive Elemente enthält „Procrastination“, das mit Piano beginnt und als Gegenstück derbe Growls auffährt. Richtig die Luzie ab geht bei „Cold Chapter“, wobei auch hier atmosphärische, progressive Parts zum guten Ton gehören. Letzlich gibt man beim Schlußstück „Sober“ nochmal chaotisch alles. Verzerrte Sounds, waviger Gesang und schnelle Rhythmen gepaart mit Gekeife von Schramm. Nichts für Romantiker.  

Sober Truth überzeugen erneut mit „Locust Lunatic Asylum“ durch Eigenständigkeit, Raffinesse  im Verknüpfen von verschiedenen Stilen und Experimentierfreudigkeit. Natürlich ist das Album nur für diejenigen interessant, die mit hartem Tobak umgehen können und sich nicht auf generelle Spielarten fixieren. Torsten Schramm bringt zudem diese Eigenwilligkeit in seiner Stimme mit, die man benötigt um einer Band seinen unverkennbaren Stempel aufzudrücken. Ob man den Gesang nun mag oder nicht. Ähnlich wie bei seiner Zweitband, Caliber X, nimmt man auch lyrisch kein Blatt vor den Mund und setzt sich schon gar nicht erst zwischen zwei Stühle. Ich finde es toll, daß Sober Truth ihrem Stil treu geblieben sind, auch wenn's sie kommerziell wahrscheinlich nicht weiterbringt. Aber das ist und soll auch nicht der Anspruch dieser aussergewöhnlichen Band sein. Für mich darf's gerne so weitergehen.  

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