SOULHEALER - Chasing the Dream

 

Melodic Heavy Rock made in Finland....ok. Und die Bandnamen hören sich an wie Skispringer oder Rennfahrer aus dem hohen Skandinavien. Also haben wir es somit tatsächlich mit Finnen zu tun.

Gegründet 2009 hat die Band mit „Chasing the Dream“ nun ihre zweite Vollzeit-Rille am Start. Als größten Erfolg bisher kann man wohl die Teilnahme an der Warm Up Show für das Headbangers Open Air 2012 bezeichnen, gelingt nicht jedem. Mal sehen ob man sich mit dem neuen Album für weitere Weihen empfehlen kann....

Irgendwie find ich ja das Coverartwork anziehend. Ich freue mich jedesmal, wenn ich es sehe....diese warmen Grün-Töne und der nett grüßende Skelett-Mensch mit Zylinder (scheint wohl das Maskottchen der Band zu sein, denn auch auf dem Debut war die Figur bereits präsent), passt alles meiner Meinung nach.

Mit „Wicked Moon“ steigt man mystisch, atmosphärisch ein. Ein harmoniebedürftiger Gitarrenpart, bevor der Gesang von Jori Kärki zum ersten Mal ertönt. Nicht unangenehm, die Stimme. Höhere Stimmlage, wie es sich für Melodic Power Bands gehört, mit dem Versuch eine Prise Rauhheit einzusprenkeln. Ein Midtempo Stück getragen von einem eingängigen Chorus gepaart mit interessanten, gut gespielten Gitarrenparts. Stratovarius mit rauheren vocals.....

Zurückgeschaut wird nicht, denn „Don't look Back“ startet mit einem feinen Saxon-Gedächtnisriff. Und so tendiert der Song auch mehr in Classic Metal Gefielde denn in Power Metal Tralala. Ok, der Refrain holt einen ein bisschen auf den Boden der Tatsachen zurück, aber Alles in Allem ein gelungenes Stück klassisches Metall. Die Gitarristen Teemo Kuosmanen und Sami Mikkonen spielen mal perfekt, mal etwas unsauber...sind aber gut aufeinander eingestimmt. Das Gesamtgerüst ist somit sehr stimmig.

„The Deception“ schlägt musikalisch in eine ungefähre Axel Rudi Pell Schiene. Riffs wie vom Meister persönlich und balladeske Vocals. Der Refrain hat sogar Rainbow Charakter. Natürlich ist das Alles nicht neu, aber es macht unheimlich Spaß, den Songs von Soulhealer zuzuhören. Klasse Old School Hard Rock/Heavy Rock Track.

Das Titelstück fällt dagegen etwas ab. Cleane und rauhere Vocals wechseln sich ab. Teilweise etwas zu fröhliche Vibes, die sich ausbreiten. Gesundes Melodic Metal Mittelmaß. Nett zu hören, aber kein bleibendes Feeling.  

Cooles Hard Rock Riffing zu Beginn von „Done for Good“. Hier werden Klassiker wie Whitesnake, Krokus und ähnliche Hard Rock Helden der 80er wohlwollend zitiert. Soulhealer entwickeln ein feines Gespür für die ehemals so bewunderten Melodien. Blendet man aus, daß man solche Zitate schon irgendwo mal gehört hat, bleibt ein tolles Lied bester Hard Rock Zunft.

Härter wird’s wieder mit „Ties of Time“. Zumindest was das Grund-Riff betrifft. „Angel of Death“ von Thin Lizzy kommt mir hier in den Sinn. Der Chorus nimmt allerdings die Fahrt und besteht aus einer Fülle harmonischer Twinvocals. Klasse hingegen ist des Gitarristen Solo zum Schluss hin.

Rock'n Roll Rebel ? Der Beginn von „Turn my back on you“ lässt Ähnliches, wie Ozzy's Klassiker vermuten. Danach wird es allerdings ziemlich „cheesy“. Und ich muss sagen, der Sänger hat nicht unbedingt eine Stimme für Balladen. Glücklicherweise nimmt der Song alsbald wieder etwas Fahrt auf und wird zu einem akzeptablen aber etwas belanglosen halbballadesken Frauenrocker.

Schlussendlich sind wir aber alle frei, was unsere Meinung angeht. „Finally Free“ erfreut erneut mit wundervollem, klassischen Riffing. Vom Aufbau her meint man, den Song zu kennen. Ich durchforste gerade meine Abteilung Hardrock Klassiker aus den 80er Jahren, komme aber nicht darauf. Melodic Rock (metal?) erster Güte. Fernab jeglicher Peinlichkeit, einfach nur nostalgisch schön.

Etwas uninspiriertes Riff eröffnet „Into the Fire“. Dafür glänzt Jori mit einer für seinen Gesang besten Stimmlage. Zuweilen erinnert er etwas an Piet Sielk von Iron Savior, wenn er seine vocals in dieser Art zelebriert. Und im Ernst: Der Song könnte ebenso ein melodischerer Iron Savior Titel sein. Die Gitarren klingen leider zu langweilig, um aus dem Titel einen echten Kracher zu machen. Schade !!

Der längste Song, wie so oft, zum Schluß. Akustische, folkloristische Gitarrenklänge eröffnen „Smoke & Mirrors“. Natürlich auch aufgrund seiner 7 minütigen Länge der abwechslungsreichste Song des gesamten Albums. Der Song zeigt deutlich, daß Soulhealer mit feinen Songwriting-Qualitäten gesegnet sind, aus einzelnen melodischen, sowie härteren Facetten ein stimmiges Lied zu komponieren. Niemals langweilig und mit ordentlich Pep hinter dem Zylinder.  

Im Bereich des klassisch melodischen Hard Rock / Metal wurde bereits in den 80er Jahren alles gesagt, was es zu sagen gab. Die großen Heroen von damals zehren auch heute noch fast ausschließlich von ihren Großtaten von einst.

Daher ist es verständlich, daß eine Band wie Soulhealer, die sich diesem Genre widmet, dieses niemals neu erfinden kann und zwangsweise die Klassiker von damals zitieren muß. Die Band tut dies allerdings mit einer hohen musikalischen Qualität und einem beeindruckenden Gespür für große Melodien und Hooklines.

Zwar hat sich die ein oder andere Austauschbarkeit eingeschlichen, aber das Gesamtbild, inklusive dem geschmackvollen Artwork, hat zumindest mich doch beeindruckt. Natürlich wurde meine Seele nicht vollständig geheilt, aber Soulhealer machen diese auch nicht kranker.

Tolles Album für Fans melodischer Rock-Kunst und auch die Damenschaft darf ruhig ein Ohr riskieren.

 

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