SPIRAL 69 - Second Chance

Manche Alben sind vom Stil her gerade noch so an der Grenze, bei Monkey Castle Berücksichtigung zu finden.Aber wenn wir diese Alben rezensieren, sollte dann schon auch objektiv an die Sache rangegangen werden. Obwohl diese immer eine Selbstverständlichkeit sein muß.

Spiral 69 aus Italien sind so eine Band, bei derem ersten Eindruck man denkt „gehört das überhaupt hier hin ?“. Doch das neue Album „Second Chance“ bietet im weiteren Verlauf genügend Anhaltspunkte, um die Relevanz auf stabilere Füße zu stellen.  

Die Band ist die Vision des Sängers Riccardo Sabetti, der irgendwann Mitte der 90er Jahre nach einem The Cure Konzert für sich entschieden hat, ebenfalls musikalisch Fuß zu fassen. Dies geschah in diversen Bands und Projekten, bevor man 2007 mit Spiral 69 den Bandgedanken zementierte. Einige Releases waren die Folge und „Second Chance“ ist dabei das neueste Werk in der Veröffentlichungs-Spirale.

Musikalisch vermischt man waviges Material mit manchen (unvermeidlichen ?) Gothic-Vibes und progressiven Elementen. Wie zu vermuten spielt hierbei die elektronische Basis eine große Rolle. So wirkt der Opener „Your Halo“ noch ziemlich am gesampleten Reißbrett entworfen, erst gegen Ende hin offenbart man mit einem härteren Gitarrenpart Rock-Affinität. Riccardo singt in typischer New Wave Manier, wie man es schon in den 80ern von einschlägigen Kapellen wie Depeche Mode her kennt. Oftmals zumindest, denn er kann auch rockiger shouten, was den Songs gleich eine ebenfalls rockigere Note gibt.  

Klar, daß auch der ein oder andere Song, wie beispielsweise „Liar“ durchaus zu Tanzflächen-Aktivitäten taugt. Hier legt man neben den gothic-angehauchten Vocals Wert auf einen guten Refrain und man möchte den Stil beinahe als Industrial light bezeichnen.  

„No Mercy“ dagegen besticht durch seinen Akkustik-Gitarrenbeginn mit weiblichen Vocals im Duett. Diese düster melancholische Ballade könnte auch durchaus im Progrock-Bereich Anhänger finden. Nicht schlecht gemacht und weit von schmalziger Übertreibung entfernt.

Ab hier hat man das Gefühl wird es immer rockiger. Klar...“Ritual“, die Single-Auskopplung, ist größtenteils wavig, aber auf romantische Art und der Refrain wird tüchtig ins Rockgewand gekleidet. Dagegen nervt ein Song wie „XXX“ mit elektronisch verzerrten Tönen und erzeugt Langeweile durch die Bank.  

Die gesamte Ausrichtung von „Second Chance“ ist eher ruhigerer Natur, wartet aber doch immer wieder mit der ein oder anderen Passage auf, welche einen aufhorchen lässt. Zum Abschluß mit „Nothing“ wird’s gar episch. Nachdem es mit piano-unterlegten Vocals sehr ruhig beginnt, taut der Song danach auf und offeriert eine schaurigschöne, traurige Epik.

Spiral 69 sind sicherlich eher der Wave-Gothic-Szene zuzurechnen, als der Rock'n Roll Fraktion. Deshalb wurde man beispielsweise auch schon zum Wave-Gothik-Treffen eingeladen. Aber so tanzbar, wie vermutet, ist das Album nicht. Von „Liar“ mal ausgenommen. Und dies unterstreicht, daß die Band nicht gezielt auf einen Markt hin komponiert, sondern versucht mit im Rahmen bleibendem Facettenreichtum verschiedene Fan-Schichten zu erreichen.

Wer jetzt allerdings dadurch die Zielgruppe sein soll, bleibt verschwommen. Für Rock-Fans sind Spiral 69 sicher zu elektronisch, für Gothic-Emo-Jünger fehlen die tanzbaren Hits.

Schlecht ist's nicht. Wer mit offen Scheuklappen durch die Welt läuft, darf die Italiener gerne mal antesten.


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