SPITTING NAILS - Red Dawn


Autor:  Kerbinator

Bewertung:  7 / 10


Tracklist:

  • Red Dawn
  • The Burden
  • Forgotten
  • Turn Off The Light
  • Day Of Sorrow
  • The Haunting
  • One Last Time
  • I Defy
  • Empty Arms
  • The Darkest Hour

VÖ: 12.05.2017

Label:  RVP Records

Liest man sich die Einflüsse der Holländer Spitting Nails durch, kann man schon erahnen in welche Richtung deren Musik geht. Gojira, At The Gates, Meshuggah oder auch Architects, keine ganz leichte Übung also für die Oranjes. Die Band wurde bereits 2006 gegründet von Mitgliedern der holländischen Death Metal Formation Mangled (Erwin Hermsen und Floris De Jonge). Man komponierte drauflos, suchte seinen Stil und komplettierte letztendlich mit Frank Litjens (ex-Dawn Of Anger) das Line Up in Form des vakanten Sängerpostens.

Dennoch dauerte es bis jetzt um das Debut Album endlich zu veröffentlichen. „Red Dawn“ bietet 10 Stücke, die stilistisch nicht immer ein leichtes Unterfangen sind und den Hörer das ein oder andere Mal fordern werden. Der Titelsong eröffnet mit heftigem Thrash und vertrackten Rhythmen, die gleich mal schwerer verdaulich sind und aus dem Harmoniegefüge ausbrechen. Wie bei modernen Metalcore Bands bieten auch Spitting Nails gesanglich einen Mix aus Brüll-Screams und Cleangesang an, der aber zum Glück nicht so emo-mäßig wie bei vielen Bands ausfällt. Für die cleanen Parts scheint Gitarrist Erwin Hermsen zuständig, und dessen Stimme klingt wirklich echt gut und passt hervorragend in die Songs. Frank Litjens ist somit der Brüllwürfel, ob man dessen Screams nun gut findet oder wie viele andere klingend, bleibt jedem selbst überlassen. Eine Innovation ist das Gekreische sicherlich nicht.  

In Folge bieten Spitting Nails immer wieder melodisch Einschübe an, entweder durch ruhigere Breaks oder durch flüssige Gitarrensoli. Aber es gibt auf „Red Dawn“ eben auch viel disharmonische Klänge, frickelig abstraktere Rhythmen, welche die Band mehr in die Nähe von Meshuggah oder diversen ProgDeath Kapellen führt. „Forgotten“ ist so ein Song, der nicht so leicht verdaulich ausfällt, dafür aber seinen ganz eigenen Reiz offenbart. Oder “Turn Off The Light” was Prog-Death/Thrash mit Cleangesang und melodischen Breaks paart.   

Manchmal fühlt man sich aber auch einfach nur an In Flames erinnert (“I Defy”, “Day Of Sorrow”), ein Umstand, der Spitting Nails aber ganz gut zu Gesicht steht. Am spannendsten meiner Meinung nach verläuft “One Last Time”. Hier treffen mächtige, druckvolle Soundwände auf Powerdrums, cleane Breaks und abwechslungsreiche Passagen. Ein echtes Songwriting-Highlight des Albums.  

Zum Ende hin nähert man sich leider etwas dem “normalen” Durchschnitts Metalcore an mit “Empty Arms” und “The Darkest Hour”, wobei letzteres noch mit einer langsamen Passage aufhorchen lässt.

“Red Dawn” ist ein gutes Debut der Holländer.  Man bietet viele Komponenten des metalcore-geschwängerten Death-/Thrash-/Prog-Wesens an und verbindet somit recht ordentlich knallende Härte mit melodischem Verständnis. Ok, das machen andere auch, aber die Spitting Nails überzeugen mich hauptsächlich durch den angenehmen, cleanen Gesang, was man vielen vergleichbaren Kapellen oft als Negativpunkt anmerken muss. Die Jungs machen ihre Sache gut und durch die noch spürbare Luft nach oben, kann es zukünftig durchaus sein, daß man einen echten Knaller liefert. Noch ist es nicht ganz so weit, aber der Einstieg kann sich hören lassen.