STARSET - Vessels


Autor:  Kerbinator

Bewertung:  8 / 10

Tracklist:

  • The Order
  • Satellite
  • Frequency
  • Die For You
  • Ricochet
  • Starlight
  • Into The Unknown
  • Gravity Of You
  • Back To The Earth
  • Last To Fall
  • Bringing It Down
  • Unbecoming
  • Monster
  • Telepathic
  • Everglow


VÖ:  20.01.2017

Label:  Razor & Tie / Spinefarm

Manch einer wird mich wieder für verrückt erklären, daß ich solch eine Band bei Monkey Castle bringe. Aber wenn eine Band ihren Stil als Cinematic Rock bezeichnet, hat diese sehr wohl die Berechtigung bei uns zumindest Gehör zu erlangen, oder aber per Review erklärt und bewertet zu werden. Die Rede ist von der Band Starset aus Columbus. Die Geschichte dieser Band ist irgendwie verwirrend und undurchsichtig, handelt es sich bei Starset quasi um eine „wissenschaftliche“ Band, die aufgrund einer Anfrage der astronomischen „Starset Society“ gegründet wurde, um für diese Organisation und deren Schaffen den Bekanntheitsgrad zu steigern. Hauptverantwortlich für Starset ist Dustin Bates (Gesang, Keyboard, Gitarre), der nach seiner Promotion zum Elektroingenieur sein Interesse an der Astronomie gefunden hat. Ein erstes Ergebnis der musikalischen Zusammenarbeit mit der geheimnisumwobenen Starset Society war das 2014er Album „Transmission“, welches mehr als eine Viertelmillion Alben, Streams und Downloads verkaufte und 43 Wochen in den Rockcharts verbrachte. Ein Riesenerfolg also, der sich nun mit dem neuen Album „Vessels“ fortsetzen soll.....

Soviel zur Intention von Starset. Wer tiefer in die Hintergründe der Zusammenarbeit und der Starset Society einsteigen will, kann das für sich selbt per Internet etc. tun. Ob und wieviel man darüber findet, weiß ich allerdings nicht.  

Wir konzentrieren uns auf die Musik und hier herrscht bei „Vessels“ großes Kino vor. Nicht verwunderlich bei Cinematic Rock. Hier sei gesagt, daß der Rockfan schon eine große Portion musikalischer Offenheit mitbringen muss, denn Starset benutzen in ihrem Sound viele eletronische Versatzstücke und Spielereien, die durch Synthesizer oder Computer erzeugt werden. Dies dient in erster Linie der futuristischen Ausrichtung im Hinblick auf Sound und Konzept. Ständig werden Elemente eingebaut, die Elektrizität und Gravitation suggerieren. Aber Starset haben ein ganz großes Plus. Und dies sind traumhaft tolle Refrains, die man in nahezu jedem der 14 Songs auf „Vessels“ bewundern darf.

Die Ausrichtung der Songs liegt oft an der Grenze zum reinen Pop, oder gar darüber hinaus. Aber gerade wenn man meint, daß hat mit Rockmusik nichts mehr zu tun, erklingt eine progressive Gitarre, ein urplötzlicher Ausbruch mit growl-ähnlichen Shouts und härteren Tönen. Eine Anwandlung, die man in einigen Songs erfährt und somit niemals auf Anhieb weiß, was einen durchgehend erwartet.

Dustin Bates besitzt primär eine klare, freundliche Stimme, die man von diversen Breitwand-Rockbands modernerer Ausrichtung her kennt. Ein Umstand, der im Zusammenspiel mit den tollen Melodien und Refrains bei den meisten Songs Charts-Qualität liefert. Allen voran „Ricochet“, ein Song im Weltklasseformat, zumindest was eben diesen Refrain betrifft.  

Natürlich lehnt man sich lyrisch an astronomische Themen und die Arbeit der Starset Society an, was sich in Songtiteln wie „Satellite“, „Frequency“, „Back To The Earth“ oder „Into The Unknown“ wiederspiegelt. Der Hit-Faktor ist eigentlich durchgehend hoch, was die Songs ausbremsen könnte, sind halt die immer wiederkehrenden Breaks durch Soundsamples in Form von elektonischen Stromstößen etc. Mich persönlich stören diese nicht, da sie neben den Killer-Refrains die Geschichten der Songs mitprägen und einfach zu den Themen dazugehören.

Das Infoblatt zum Album erzählt, daß Dustin Bates bewusst versucht hat, sich der Schwerkraft des Schemas „Radio Rock“ zu entziehen und eher seine Musik in einer Art Mix aus Hans Zimmer, Trent Raznor und Radiohead zu präsentieren. Na ja, kann man als Anhaltspunkt sicherlich so sehen, aber die Atmosphäre, die „Vessels“ durchgehend versprüht, hat seinen ganz eigenen Charakter.  

Starset sind Cinematic Rock, ja.....hochglänzend, futuristisch und charts-affin. Und auch die Produktion von Rob Graves (Halestorm, Red) und der Mix von Ben Grosse (Breakin Benjamin, Filter) tragen hier ihren Teil dazu bei. „Vessels“ ist spannend, trotz der vielen leicht poppigen Harmonien außergewöhnlich und anziehend. Da die Band (neben Bates noch Bassist Ron DeChant, Gitarrist Brock Richards und Drummer Adam Gilbert) live wohl auch in Astronauten-Kleidung inklusive Helmen auftritt, unterstreicht dies zusätzlich die ungewöhnliche Art und Weise, wie Starset ihre melodischen Hymnen aus Überzeugung präsentieren.  

Man muß über den Tellerand hinausschauen können und Computer-bzw. Synthie-Sounds nicht generell ablehnen, um „Vessels“ genießen zu dürfen. Dann entfaltet sich einem trotz des verstärkten Pop-Appeals ein tolles, spannendes Album mit der Qualität ganz nach oben durchzubrechen. Die Refrains schleudern einen unweigerlich in den Orbit. Ich bin dann mal kurz weg.....


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