STRANGELET - First Bite

Es freut mich außerordentlich, daß sich immer noch Bands berufen fühlen, dem guten alten erdigen Hardrock im Zeitalter von Computerismus , Social Media-Seuche und Schnellebigkeit seine Ehrerbietung zu erweisen.

Konnte vor kurzem noch das neue Album der Hamburger Chalice voll und ganz überzeugen, schicken sich nun auch Strangelet aus Heilbronn an, mit ihrem in Eigenregie veröffentlichten Album „First Bite“  (unspektakulärer, aber treffender Titel !) im Qualitäts-Hardrock deutscher Prägung ordentlich nachzulegen.  

Ein bisschen Werbung machen Strangelet damit, daß ihr Sänger Stefan Zörner die ersten beiden Lanfear Alben eingesungen hat. Aber, erstens kenne ich nur die neueren Sachen dieser Band und Strangelet klingen mal komplett anders als Lanfear. Nun gut...

Hingegen eher außergewöhnlich ist, daß mit Jessica Stuart eine Frau auf dem Drumhocker sitzt, welche gleichzeitig noch die Management Aufgabe der Band stemmt und zudem noch eine ganz Hübsche ist.

Wenn man die 11 Songs des Albums hört, werde ich das Gefühl nicht los, daß es die Band einen Dreck schert, kommerziell erfolgreich zu werden, sondern man eher der Freude am Musizieren wegen aufnimmt und veröffentlicht. Dabei finden sich auf „First Bite“ durchaus Songs, die auch erfolgversprechend durchstarten könnten.  

Mit „Privilege of Power“ starten die Schwaben erstmal mit erdigem, irgendwie typisch deutschem Hardrock. Man legt Wert auf relativ einfache, nachvollziehbare Gitarrenarbeit, die funktioniert. Und der mehrstimmige Refrain kommt äußerst sympathisch rüber...hier findet sich so manche Parallele zu den zuvor angesprochenen Chalice.

„Nothing“ zeigt mit wiederkehrender (Percussion-)Glocke, einigen Uralt-Accept u. Scorpions-Rhythmen und einem gekonnten Gitarrensolo viel Stil. Der Refrain hingegen ist für meinen Geschmack etwas blaß und die Ho-Ho-Ho-Chöre könnte man auch geschickter umgehen. Dem Spaß am Song tut dies aber keinen Abbruch.

Daß man auch Deep Purple und Co verinnerlicht hat, zeigt die immer wieder auftauchende Hammond-Orgel. Erstmals im Song „Tainted“, welcher vom Gesang her etwas Steven Tyler von Aerosmith ähnelt. Stefan Zörner besitzt generell eine Stimmfärbung in der Art der Sleaze-Legende, wirkt aber in der Regel um einiges rauhe. Sehr interessante Stimme, der Herr...

Am Anfang von „Pray to Break“ fährt man einen etwas spacigen Keyboard Sound auf, unterlegt mit Drums, bevor der abwartende Gesang einsetzt. Wieder muß man die tolle Rock-Röhre von Stefan erwähnen. Ein stimmiger Refrain und ein härterer Gitarre-Orgel-Duett Part runden die Nummer gelungen ab.

Als Anspieltip und echten Höhepunkt kann man getrost „Stillborn“ bezeichnen. Anfangs nur mit Piano und ruhigem Gesang ohne jedoch kitschig zu wirken steigert sich der Song hin zu einem Gänsehaut-Refrain, wiederum mit leichter Aerosmith-Schlagseite. Ein Gitarrensolo in der Tradition von 80er Kapellen wie Poison („Every Rose has it's thorn“, sag ich da nur !!)  beendet den ersten Teil des mit 6 ½ Minuten längsten Song des Albums. Denn danach geht’s ungleich flotter zur Sache. Ein mit Hammond Orgel ausgestatteter Instrumental Part sorgt für mehr Tempo, bevor der Song balladesk ausklingt. Ein Song mit dem Potential zum Klassiker !!

Dagegen kann der Rest ja eigentlich nur abflachen....aber Strangelet haben noch so einige Ideen, die erwähnenswert sind.  

Beispielsweise den verzerrten Gitarrensound in „Touch the Sky“, der zwar den Song an sich unzugänglicher macht, aber eine eigene Note verleiht. Oder die mit Akkustik-Westerngitarre ausgestattete „Blaze of Glory“-Hommage „Catching Fire“, die sich wie im Original ruhig bis zum Refrain aufbaut.

….und nicht zu vergessen, die Ballade „All that's left“ im Duett mit Frauengesang, obwohl ich nicht weiß, wer die Holde ist, mit welcher Stefan hier intoniert. Nette Stimme hat sie und ein hübscher Song ist's allemal.  

Etwas Füllmaterial hat sich auf „First Bite“ zwar auch eingeschlichen, so klingt meiner Meinung nach „Snakebite“ beispielsweise etwas zu banal mit seinen Ho-Ho-Ho-Chören. Trotzdem bieten Strangelet viel Gutes und das Album bereitet zu jeder Zeit Spaß.

So wie es aussieht, macht die Band im Augenblick so ziemlich alles selbst. Aber auch vieles richtig. Bin gespannt wohin die Reise von Strangelet in Zukunft geht. Mit „First Bite“ bieten die Jungs schon mal einen echten Leckerbissen ! 


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