TXL - Kopfschuss

 

Es ist erst ein Jahr her, als uns die Berliner Formation TXL mit „Angst“ einen formidablen Erstling präsentierte. Eher von Kapellen wie Knorkator und Marius Müller Westernhagen beeinflußt ,denn von den immer bei deutsch rockenden Bands auftretenden Vergleichen mit Rammstein, Hosen, Ärzten und Böhsen Onkelz, konnte man mit dem eigenen Sound gleich überzeugen und beeindruckte unter anderem Kevin Russell, der TXL sogleich mal schnurstracks mit auf Tour genommen hat. Auch für die Tour der neuen Band von Russell, Veritas Maximus, ist man bestätigt und somit kann man durchaus von einem großartigen, ersten Karriereschritt sprechen.

Mit „Kopschuss“ legt die Band jetzt recht zügig nach. Der Untertitel des Albums „weil die Musik in den Kopf muß“ sollte erwähnt werden, um eventuell falschen Interpretationen vorzubeugen. In der heutigen Zeit nicht ganz unwichtig. Damit dieser „Kopfschuss“ nicht zu einem Schnellschuss wird, hat man den eigenen Sound mit weiteren Facetten angereichert und auch produktionstechnisch eine ordentliche Schippe draufgelegt, aber dazu gleich mehr. Zu erwähnen ist natürlich immer noch, daß mit Halid ein türkischstämmiger Sänger die Songs vokal veredelt. Dies wird immer noch von Seiten den Managements als Aufhänger erwähnt, aber vielmehr ist es das Gesamtpaket, daß bei TXL überzeugen kann.

Um meine Worte Lügen zu strafen, kann man im Eröffnungsstück „Mayday“ dann doch ein paar Nähen zu Rammstein ziehen, aufgrund der industrial-lastigen Gitarrenarbeit und dem typischen Versatz-Punch, den die Drums bieten. Auch Die Krupps kommen einem hierbei in den Sinn. Halid's Stimme, die irgendwo zwischen Rock'n Rolf (Running Wild) und Lemmy liegt, drückt dem Song dann aber doch einen eigenen Stempel auf.

Richtig die Post ab geht dann bei „Polytoxicomane“. Sehr schneller Postrocker, mit tollen Bassläufen und geradlinigen Rockgitarren. Halid's Gebrüll wechselt ab mit verzerrten Clean-Vocals.

Wie vielfältig die Musik von TXL ist, wird einem spätestens bei „Leck mich am Arsch“ klar. Ein haariger Hard Rocker mit funkigem Refrain und teilweise mit Bläsern unterlegt, welcher einem natürlich aufgrund des Textes ein breites Grinsen auf's Gesicht zaubert. Apropos Lyrics....zwar wirken die Refrains im ersten Moment etwas übertrieben aufmüpfig und provozierend, haben aber meist einen ernsten, aus dem richtigen Leben gezogenen Hintergrund.

Mainstreamiger wird’s dann bei „Siehs't du es nicht“. Mit songdienlichen Hintergrund-Keyboards versehen, taugt der Song am ehesten zur Single-Auskopplung. Melodischer Hard Rock mit eingängigem Chor-Refrain und einem netten Gitarrensolo, bietet der Song gewisse AOR-Tauglichkeit.

„Bomben fallen“ rockt danach wieder flott nach vorne und besitzt tatsächlich leichte Parallelen im Refrain zu den Toten Hosen. Insgesamt aber um Einiges härter als die Düsseldorfer, weiß der Song mit Riff Rock und Sirenengeheul zu gefallen.  

Jetzt kommt der Lemmy !! Nein...im Ernst, mit „Ich reiße dir den Kopf ab und scheiß' dir in den Hals“ erschallt trotz aller Provokation mittels Gang-Slang Vocals ein Bastard aus punkig angehauchtem Motörhead Sound und Marius-Refrain. Nichts für feinfühlige Kuschelrocker, sondern für Gourmets, die ihr Steak gern leicht blutig mögen.

„Wie es mal war“ klingt mit den teilweise abgehackten Vocals äüßerst gewöhnungsbedürftig. Der Refrain weiß zu gefallen, insgesamt wirkt der Song aber etwas zu chaotisch, die klare Linie fehlt.

Knarre durchgeladen...auf geht’s zum „Kopfschuss“. Der Titelsong ist eine gelungene Mischung aus luftig swingenden, langsameren Parts, die wieder in funkige Passagen münden. Auch hier findet man im Hintergrund einige Bläser wieder, die auch einem Westernhagen gut zu Gesicht gestanden hätten.

Bluesig geht’s weiter mit „Hey Baby“. Schnörkelloser Heavy Rock mit dezenten Blues Anleihen, wie man in auch schon in einigen Motörhead Songs gehört hat, bringt rauchige Clubatmosphöre rüber. Mit einem Whiskey in der Hand läuft der Track noch umso besser rein....cheers !!  

Mit „TXL“ huldigt man sich danach auch einmal selbst. Eine gelungene Mischung aus Hard – u. Heavy Rock mit bluesig riffenden Gitarren und einfachem, aber einprägendem Refrain. Typisches Rock'n Roll Gitarrensolo mit ordentlich Wah-Wah's unterlegt, ergänzt diesen flotten Rocker.

Zum Schluß gibt’s dann noch etwas zum Lachen. Mit „Eene Meene Miste“ wird hier der Kinderlied-Fundus durch den Kako gezogen. Hier wechseln sich Spieluhren mit verzerrten, abgehackten Vocals ab, dann folgt mal ein netter Gitarrenpart, dann wieder ein klaviergeprägtes, episches „alle meine Entlein“, beendet durch die Vertonung eines Magenwindes. Verrückt, mehr fällt mir nicht ein....und wem hier nicht vor Lachen die Tränen kommen, dem ist dann auch nicht mehr zu helfen.

Mit „Kopfschuss“ können TXL abermals überzeugen und im Vergleich zum Debut mit noch mehr Einfallsreichtum und Abwechslung glänzen. Zwar werden hier viele Stilmittel in den Sound integriert, aber dadurch werden die Songs auch nie langweilig oder nichtssagend. Die Lyrics werden polarisieren, klar...aber das tun diese bei anderen Bands auch.

Für mich hat die Band den nächsten, logischen Schritt vollzogen, musikalisch kompetent und einfallsreich die eigenen Vorstellungen umgesetzt. Zwar verbeugt man sich an einigen Stellen dann doch an musikalischen nationalen und internationalen Größen, verliert aber nie seine Eigenständigkeit aus den Augen. Mal schau'n, wie es mit TXL weitergeht.....

 

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