THE JELLY JAM - Profit

Nach fünf Jahren Funkstille wollen sie es wieder wissen. Ty Tabor (Kings X), John Myung (Dream Theater) und Rod Morgenstein (Winger, Dixie Dregs) mit ihrer Nebenspielwiese The Jelly Jam. Zum vierten Mal beweist das Trio Können, vor allem im Songwriting. Spielen können die Jungs ja sowieso.

Obwohl man sagen darf, daß man mit The Jelly Jam und somit auch auf dem vierten Album „Profit“ um einiges unaufgeregter zu Werke geht, als bei ihren Hauptbands. Dem Album liegt zwar kein Konzept zugrunde, aber die 12 Songs verfolgen trotzdem einen roten Faden. Es dreht sich im Groben um die Geschichte eines weisen Mannes, der seinen Mitmenschen bei stetig wachsender Profit-u. Geldgier die Augen öffnen, den Spiegel vorhalten und somit die Welt retten will. In diesem Bezug steht auch das gelungene Artwork, welches den kapuzenbekleideten Propheten zeigt, der eine Waage mit Geld auf der einen und der Weltkugel auf der anderen Seite zeigt. Zudem wurde das Wort „Prophet“ durchgestrichen und durch „Profit“ ersetzt. Soweit zum Rahmen, nun zur Musik.

Die Musik von The Jelly Jam wird in etwa mit ProgRock der 70er Jahre umschrieben und ja, im Sound der Band finden sich einige Elemente der damaligen Zeit und auch aus dem sog. Krautrock.

Der Opener „Care“ startet rockig, wechselt aber mit entspannteren Passagen ab. Teils wirkt es etwas psychedelisch, aber trotzdem recht groovig. Ty Tabor's hohe, klare Stimme kommt noch besser bei „Stain On The Sun“ zur Geltung. Er kann halt recht gut singen, wie man das von Kings X her auch kennt. Myung und Morgenstein operieren mehr songdienlich. Beweis-Spiele ihres Könnens müssen sie nicht liefern und die Klasse spiegelt sich in der Fähigkeit, den Songs Atmosphäre zu verleihen wieder. Nicht selten enthalten die Songs ab und zu so einen ganz leichten Beatles-Touch.

Bei „Water“ wird’s nach verhaltenem Beginn mit verzerrten Synths eher düsterer, doomiger. Das Gitarrenspiel und die verzerrten Vocals wirken zudem recht spacig. Rockiger kommt dagegen „Stop“ auf den Punkt, welches hauptsächlich durch den atmosphärischen Refrain glänzt.

Richtig prog-rockig im Stile der 70er wird’s dann bei „Perfect Lines (Flyin')“. Erneut etwas verzerrte Vocals und Beatles Vibes ergänzen tolle Piano-Parts und den Höhepunkt in Form eines melodischen Gitarrensolos. „Mr. Man“ ist der coolste der 12 Nummern. Lässig aus der Hüfte heraus, coole Gitarrenriffs im Schlepptau enthält der Song viel Seele (Soul) und tendiert leicht zur sogenannten Kiffer-Musik. Da kommt „Memphis“ eher bodenständiger im Stile traditioneller Tom Petty oder Neil Young Songs.

Erneut entspannt beginnt „Ghost Town“. Ein flockiger Song, der mich ein ums andere Mal an Alan Parsons Project erinnert. Auch „Heaven“ mit seinem mehrstimmigen Gesang setzt dies fort. Fröhlich beschwingt mit gezupften Gitarren. Mit „Permanent Hold“ integrieren The Jelly Jam ein reines Instrumental ins Album, welches in dieser Art auch auf Joe Satriani's „Flying in a Blue Dream“ hätte stehen können.  

„Fallen“ ertönt dem Titel entsprechend danach um einiges melancholischer, plätschert nach balladekem Beginn aber etwas zu sehr dahin. Zum Abschluß lässt man es dann schwerer, wieder doomiger, gepaart mit schönen Melodien ausklingen.  

„Profit“ ist eine Platte, mit der The Jelly Jam keine zufällig auf's  Album geschmissenen Songs präsentieren wollen, sondern welche als Gesamtkunstwerk verstanden werden soll. Man hat gemäß O-Ton Ty Tabor diesmal mehr experimentiert als zuvor, um der Storyline gerecht zu werden und atmosphärisch anspruchsvoll rüberzukommen. Dies ist den Jungs gut gelungen und die Mischung aus ProgRock der älteren Generation und Doom, Soul und Groove funktioniert hervorragend, auch wenn man von The Jelly Jam keine Hits erwarten sollte. Diese werden nicht benötigt, denn das Gesamtbild ist ausschlaggebend und hier lässt die Band keine Wünsche offen. Starkes, wenn auch meist entspanntes Teil !


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