THOUGHTS FACTORY - Lost


Dass im Progbereich Konzeptalben veröffentlicht werden, ist inzwischen keine Seltenheit mehr. Die deutsche Formation Thoughts Factory setzt sich auf „Lost“ mit dem Thema Suizid und der Frage, wie Angehörige mit solch einem Verlust umgehen, auseinander. Dabei orientieren sie sich musikalisch stark an Dream Theater und (mit Abstrichen) Opeth. Herausgekommen ist ein spieltechnisch sehr gutes und homogenes Album, das Fans des „Systematic Chaos“ begeistern wird. Wer mit solchen ausufernden und für den Laien nervtötenden Soli allerdings nichts anfangen kann, sollte lieber die Finger von diesem Album lassen.

Denn schon der Opener „Awakening“ wartet mit Dream Theater-esquen Soli auf, wird aber mit einsetzendem Gesang sehr melancholisch.

„The Deep Forest“ macht zunächst da weiter, wo „Awakening“ aufgehört hat, steigert sich aber zu einer genretypischen Midtemponummer, natürlich mit reichlich Gitarren- und Keyboardsoli. Im Mittelteil wird nochmal kurz das Tempo rausgenommen, bevor besagte Soli die Überhand gewinnen. Außerdem überrascht der Track mit einem Duett aus cleanem und gutturalem Gesang.

Auf „Desperation“ wird das Tempo angezogen und der Härtegrad hochgeschraubt, wobei die komplexe Grundstruktur beibehalten wird. Der Übergang zwischen den beiden Songs ist fließend gehalten, was bei der digitalen Version eine kurze Unterbrechung zur Folge haben kann.

Mit „Light“ gibt es eine kurze Erholungspause, da es sich um eine pianodominierte Ballade handelt. Zwar keine Überballade, aber dennoch gut gemacht.

Dass Thoughts Factory auch eingängige Melodie drauf haben, beweist „Voices from Heaven“ (zumindest im vorderen Teil). Im Verlauf werden wieder Soli an Soli gereiht. Seine stärksten Momente hat der Song in den ruhigen Passagen, wenn Sänger Marcus Becker sein Können unter Beweis stellt und mit melancholischer, fast verträumter Stimme agiert.

„No way out“ stellt den härtesten Song des Albums dar. Symphony-X-lastiges Riffing gepaart mit Jordan Rudess Gedächtniskeyboardpassagen und fundamentiert mit treibender Rhythmussektion. Einer der stärksten Titel der Platte.

Ein Pianoakkord sowie ein an Pink Floyd erinnerndes Gitarrensolo leiten „The Mire“ mit Gänsehautfeeling ein. Marcus Becker darf noch mal seine ganze gesangstechnische Bandbreite vorführen und Gitarrist Markus Wittmann zeigt hier, dass er zur internationalen Spitze gezählt werden kann.

Der mit 16 Minuten längste Titel „Death of a Dream“ vereint zum Abschluss noch mal alle Facetten der Band. Eingängige Strophen, komplexe Instrumentalpassagen und erstklassige Soli. Auch wird erneut gutturaler Gesang mit eingestreut.

Thoughts Factory beweisen mit „Lost“, dass sie durchaus mit Genregrößen wie Dream Theater mithalten können, wobei mir persönlich die immer wieder eingestreuten Gimmicks eines Jordan Rudess fehlen. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau und schließlich ist ein reines Kopieren einer Band ohne einen Hauch von Eigenständigkeit auch nicht das gelbe vom Ei.


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