THRUST - Fist Held High (35th Anniversary Collection inkl. Reincarnation / 2. unveröffentlichtes Album)

Rechtzeitig zum 35jährigen Bestehen der US Truppe Thrust hauen Metal Blade Records den 1984 erschienen, einzigen Longplayer „Fist Held High“ nochmal in Originalform raus, um zu zeigen, welche kultige US Metal Truppe, warum auch immer, damals im Metaluniversum versandete.

Dies wäre ja erst mal nichts Ungewöhnliches, Re-Releases drängen in den letzten Jahren wieder stark in den Musikmarkt.

Doch Metal Blade legen noch Einiges drauf. Allem voran mit „Reincarnation“ als Bonus-CD das bisher nie veröffentlichte zweite Album der Mannen aus Illiois.

Zudem noch diverse Live-Tracks + den Metal Massacre IV – Beitrag „Destructer“ als Bonus der „Fist Held High“-CD und diverse Demo-Songs als Bonus der „Reincarnation“-CD.

Viel Material also, was einen guten und repräsentativen Überblick über das Schaffen von Thrust erlaubt.

Der US Metal von Thrust, welcher auf „Fist Held High“ zelebriert wurde, orientierte sich stark an Kapelle wie Omen, Savage Grace oder auch Laaz Rockit. Original Sänger John Bonata sang damals ähnlich wie Michael Coons von eben Laaz Rockit oder aber in gewissen Passagen ählich kauzig wie Tim Baker von Cirith Ungol. Songs wie der Opener und Titeltrack „Fist Held High“, „Overdrive“ oder „Metallic Attack“ gehen kompromisslos zur Sache, die Gitarren braten fett und treffen die Hörorgane ähnlich wuchtig, wie beispielsweise die Kanadier Exciter. Nummern, die die Kuttenträger-Fraktion und Echtmetaller unter uns gar nicht erst enttäuschen können, und um es mit dem Albumtitel zu sagen....die Fäuste nach oben recken lassen !!

Auch die heutigen, jungen Nachwuchs-Speedkombos sollten sich mal einen Song wie „Heavier Than Hell“ anhören, um zu erfahren, wo für sie noch Verbesserungspotential besteht.

Das Album bietet durch die Bank feinsten, knalligen US Metal. Dabei wird das Tempo so gut wie nicht zurückgefahren, was bedeutet, daß es auch keine Ausreißer wie Balladen etc. gibt. Und wenn dann noch ein Song „Posers Will Die“ heißt, weiß man schlußendlich so der Hammer hängt.

Die vier Bonus-Live Songs zeigen dann einigermaßen gut, wie Thrust on Stage zur Sache gingen. Am Mikro stand bei dieser Chicago-Show ein gewisser Roger Terry, der etwas klarer sang als Bonata, musikalisch stehen Granaten wie „The Wolf“, „Iron Gates“ oder „Hard Rider“ aber fast in nichts dem Album „Fist Held High“ nach. Natürlich muß man bei diesen frühen Live-Aufnahmen erhebliche Abstriche im Sound machen und somit sind diese eher für Fans der ersten Stunde interesant. Nicht vergessen werden darf aber der abschließende Metal Massacre IV-Beitrag „Destructer“, der bereits die Qualitäten von Thrust zeigt und durchaus auch auf's Album gepasst hätte. Herrlich unkomplizierte, teilweise harscher Metal der irgendwie sogar an Raven erinnert.

Das bisher unveröffentlichte, zweite Album „Reincarnation“ wurde dann 5 Jahre später eingespielt. Mit neuem Sänger, Andy Beaudry, wobei man sagen muß, daß mit Gitarrist Ron Cooke auch nur noch eine Original-Mitglied übrig blieb. Von der US Metal Power hatte man nichts verloren, auch wenn man den Stil schon teilweise erheblich veränderte bzw. ergänzte. So hört man schon im zweiten Song „Scream Girl Scream“, daß man gewillt ist, das Tempo auch mal zurückzunehmen und sich schon auch dem kommerzielleren US Markt der End-Achziger Jahre anzubiedern. Der Sound wurde entsprechend angepasst, einzelne Instrumente produktionstechnisch mehr in den Vordergrund gerückt. Auch Balladen wurden integriert, um sich dem Zeitgeist anzupassen.  „God Only Knows“ bzw. „The Fool“ sind Anzeichen, daß Thrust zu diesem Zeitpunkt durchaus auch auf die Radiostationen abzielte, um bekannter und erfolgreicher zu werden. Es blieb beim Versuch....

Schlecht sind die Nummern aber nicht und ähneln eher den langsameren Stücken von Metal Church als irgendwelchen Wimp-Bands aus den Staaten.

Auch wenn man im Gegensatz zum Debut den Sound veränderte, befinden sich doch viele coole Numern auf „Reincarnation“. So können beispielsweise „Hypocrite“ oder „Wasted“ voll überzeugen und zum US Metal der besseren Sorte gezählt werden. Daß man nicht mehr so ungestüm zu Werke ging, wie bei „Fist Held High“, hat man auch bei anderen US Metal Bands gesehen, wie beispielsweise Heir Apparent oder Fifth Angel, deren Debuts heutzutage als Klassiker gelten, deren Nachfolge-Alben jedoch erhebliche Veränderungen mit sich brachten. Nichtsdestotrotz überzeugten auch diese und erzielten Achtungserfolge. So auch hier bei Thrust, wo das erste Album so etwas wie Kultstatus genießt, aber auch der Nachfolger in veränderter Form überzeugen kann.

Die Bonus-Songs in Form von 8 Demo-Tracks sind dann wieder etwas für Fans, von der Qualität eben....ja Demos. Vom ersten Album gibt’s hier nur den Titelsong in Demo-Form zu hören, ansonsten nur unveröffentlichte Songs, die denen des Debuts kaum nachstehen. Gute Sache, das frühe Schaffen von Thrust der Öffentlichkeit nicht vorzuenthalten.

Der US Metal Fan kann bei diesem Paket bedenkenlos zugreifen. Und auch für diejenigen, die bereits das ursprüngliche „Fist Held High“ besitzen, könnte aufgrund der Dreingabe von „Reincarnation“ ein erneuter Kaufanreiz entstehen. Alles in allem ein sehr wertiges Produkt, das bei Neu-Einsteigern in die Welt von Thrust keine Wünsche offen lässt. So muß ein Re-Release aussehen !!  Ach ja...für das Keep it True-Festival 2016 sind Thrust bereits bestätigt. Wer hätte es geahnt....

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