TRAUMA - Rapture and Wrath


Man war auf dem zweiten Metal Massacre Sampler vertreten. Beim ersten Demo hat Cliff Burton den Bass eingespielt. 1984 hat man das bis jetzt einzige Album „Scratch and Scream“ rausgebracht.

Wie nicht anders zu erwarten hat man sich jetzt kürzlich reformiert, da der Nährboden für solche Bands mittlerweile wieder recht reichhaltig ist. Pure Steel Records haben das erkannt und kurzerhand die Band Trauma unter Vertrag genommen.

So wie ich das sehe ist von der Ur-Besetzung nur noch Sänger Donny Hillier übrig, was in mir immer so ein bisschen Zweifel ob der Reunion-Relevanz erzeugt. Egal, ein neues Werk ist draußen: „Rapture and Wrath“. Und da Trauma aus den Vereinigten Staaten stammen, wird natürlich hauptsächlich US Metal geboten. Und zwar solcher aus der 80er Phase. Donny Hillier singt recht hoch mit ordentlich Hall hinter der Stimme. Ähnlichkeiten zu Bands wie Griffin, Liege Lord oder Fifth Angel sind nicht von der Hand zu weisen. Ebenso überzeugt Gitarrist Kurt Fry mit knackigen Riffs, die an manchen Stellen etwas an Metal Church erinnern.

Manches Mal klingt der Sound aber ziemlich angestaubt, beispielsweise zu Beginn von „When I Die“. Dafür versteht man es mit „The Long Way Home“ etwas mehr Flair in den Song zu bringen. Hier könnte man fast ältere Lizzy Borden vermuten, oder auch Dokken beim Gesang.

Wenn dann wie bei „Pain“ die Glocke ertönt, ist es Zeit für einen musikalischen Querverweis nach Europa, respektive Iron Maiden. Der Song erinnert schon frappierend an die eisernen Jungfrauen und auch der Gesang von Donny ist dem von Bruce Dickinson hier nicht unähnlich. Zumindest am Anfang und Ende scheint hier „Hallowed be thy Name“ durch.  

Trauma sind also in mehreren musikalischen Themen unterwegs. Oftmals erinnert der Gesang  an John Arch zu Fates Warning Zeiten („Kingdom Come“). Mal ne Prise Judas Priest („Egypt“), dann ein bisschen Mötley Crüe („Don't Tread on Me“) inklusive Vince Neil Anleihen....lediglich der arg kratzige Gitarrensound macht mir ab und an zu schaffen. Hier hätte man bei manchem Riff mehr Druck ausüben können.

Sei's drum. Trauma habe mit „Rapture and Wrath“ ein ansprechendes old school US Werk draußen, daß von den Urinstinkten des Metal lebt. Auch wenn Donny ab und an etwas knödelig wirkt und nach hinten raus ein bisschen nervt, ein Ausrufezeichen für alle US Metal Fans. Und diese soll es ja immer noch zahlreich geben.... 


Bewertung:

die 2. Meinung:

Die durchschnittliche Zeit zwischen erstem und zweitem Album liegt etwa bei 2-3 Jahren. Nicht so bei den US-Metallern Trauma. Sie ließen zwischen „Scratch and scream“ und „Rapture and wrath“ rekordverdächtige 31(!) Jahre verstreichen. Allerdings muss man bedenken, dass die Band zwischen 1985 und 2013 offiziell aufgelöst waren. Außerdem sind von der damaligen Besetzung nur noch Sänger Donny Hillier und Schlagzeuger Kris Gustofson, von den Gründungsmitgliedern sogar nur noch Donny mit von der Partie. Kleine Notiz am Rande: Zu den Gründungsmitgliedern zählte auch ein gewisser Cliff Burton!

Doch genug davon, kommen wir zu dem wirklich Wichtigen: Der Musik. Bei einigen Comebacks und Reunions kann man feststellen, dass die Musik im Vergleich zu den alten Alben deutlich schlechter ist und der Drive früherer Tage nicht mehr vorhanden ist. Bei Trauma ist das zum Glück nicht der Fall. Die 10 Songs atmen den Flair der 80er ohne dabei verstaubt und altbacken zu klingen. Oder mit anderen Worten: 80er Jahre Vibe trifft 2010er Produktionsstandard.

Songtechnisch erinnern Trauma an alte Iron Maiden und Sänger Donny klingt bisweilen wie ein Bruce Dickinson-Klon, wobei man dazu sagen muss, dass beide etwa zur selben Zeit mit dem Singen angefangen haben. Gitarrist Kurt Fry steht einem Steve Harris in nichts nach und haut ein eingängiges Riff nach dem anderen raus und der Fakt, dass Trauma nur noch einen Gitarristen haben, fällt auch nicht sonderlich ins Gewicht. Aber auch Steve Robello am Bass und Kris Gustofson am Schlagzeug machen ihre Sache mehr als ordentlich. Von kompositorischer Seite her gibt es zwar noch etwas Luft nach oben, aber mit „Pain“ und „Egypt“ gibt es zwei herausragende Songs in bester Iron Maiden-Manier (und meiner Meinung nach auch besser als „Number of the beast“ oder „Fear of the dark“, aber das ist ja bekanntlich Geschmackssache ;-)

Jedenfalls ist Trauma ein richtig gutes Nachfolgealbum zu „Scratch and scream“ gelungen, dem man in jeder Sekunde die Spielfreude der vier alten US-Boys anmerkt. Und besser als die letzten Iron Maiden Outputs ist „Rapture and wrath“ allemal.

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