TRIAL - Vessel




Autor:  Kerbinator

Bewertung:  8 / 10


Tracklist:

  • Vessel
  • To New Ends
  • Ecstasy Waltz
  • Through Bewilderment
  • A Ruined World
  • Where Man Becomes All
  • Restless Blood


VÖ:  21.01.2015

Label:  High Roller Records

Positive Berichte über diese Band und dieses Album haben mich hellhörig gemacht. Zwar wird in der Medienlandschaft oft überzogen, übertrieben und überschwänglich gefeiert, aber manches Mal lässt sich doch eine wahre Perle entdecken.

So wie bei Trial. Schweden-Fünfer, den man einfach dem Begriff Heavy Metal zuordnen kann. Manche bezeichnen die Band als Doom Metal Act. In einigen Momenten ja, aber es geht dann doch für meine Begriffe eher in die Epic-/Pure-Metal-Ecke. „Vessel“ nennt sich das zweite Album der Jungs und bereits das coole Retro-Artwork verspricht Mystisch-Epochales Gespür.

Dies äußert sich im eröffnenden Titelsong „Vessel“ schon bereits mit dem gezupften Akkustik-Intro und dem eher schleppenden Rhythmus. Ein bisschen Atlantean Kodex schimmert durch und wer sogenannten Eierkneif-Gesang nicht ab kann, der braucht hier erst gar nicht weiterzulesen.  

Den Song kann man als Eingewöhnungsphase sehen, denn mit knapp über drei Minuten ist dieser doch im Vergleich zum Folgenden recht kurz geraten.  

Aber bereits mit „To New Ends“ entfaltet das Album seine ganze Pracht. Mit einer Mischung aus seligen Mercyful Fate Tagen und US Metal Power stellen sich einem sofort die Nackenhaare vor Begeisterung. Sänger Linus Johansson kommt demnach wie eine Kreuzung aus King Diamond (aber ohne den markanten Falsett-Gesang) und Heir Apparent's Steve Benito zu „One Small Voice“ Zeiten rüber und die Rhythus-u. Solofraktion lässt die Metal-Saiten ordentlich braten.

Auch die Länge der Songs scheint mehr und mehr anzuwachsen.

Beim dritten Song „Ecstasy Waltz“ sind wir bereits bei über 7 Minuten angelangt. Musikalisch liegt hier zusätzlich eine Prise neuere Metal Church in der Luft. Allgegenwärtig ist aber zu jeder Zeit der Einfluss von King Diamond/Mercyful Fate auf das Schaffen von Trial, ohne aber wie ein identischer Klon a'la Attic zu erscheinen. Theatralik, Epik....der Song hat immense Seele.  

Und Trial lassen nicht nach. Es galoppieren die Maiden-Gitarren durch die Gegend bei „Through Bewilderment“  (hier nehmen wir über 8 Minuten zur Kenntnis). Gerade was die Gitarristen Ellström und Johnsson vom Stapel lassen, ist beeindruckend. Der Sound drückt dich geradezu in die Knie. Natürlich fehlt bei einem Song solcher Länge der entsprechende Zwischenstop in Form von einem Slow Down nicht und die ein oder andere tolle, elegische Melodie verursacht wohltuende Gänsehaut. Fein, fein.

Auch die restlichen Songs bleiben in dieser Schiene. Druckvolle Riffs, hoher epischer Gesang, das ein oder andere Break, wobei „Where Man Becomes All“ am ehesten an Mercyful Fate erinnert.  

Das Beste kommt dann, wie so oft, zum Schluß. Unglaubliche 13 Minuten dauert das Abschlußfeuerwerk „Restless Blood“, welches das Gehörte nochmals aufnimmt, in abgewandelter Form präsentiert und verfeinert. Ausufernde Solo-Parts zeigen die musikalischen Qualitäten noch mehr als zuvor und das songwriterische Verständnis, immer wieder das Tempo spannend zu verschleppen, ist enorm beeindruckend. Und als es dann nach 8 ½ Minuten sehr ruhig wird und der einfühlsame, erhabene Balladen-Gesang einsetzt, fühlt man sich endgültig in der Stimmung, zu applaudieren. Es folgt ein vierminütiges Rest-Schaulaufen, welches das Epos würdig zum Abschluß bringt.  

Neben den vielen Meryful Fate-Klons, die sich anschicken, das Erbe des Kings und seinem Gefolge schon zu Lebzeiten zu verwalten, bieten Trial eine angenehme Alternative, da man die natürlich vorhandenen Einflüsse zusätzlich mit Epik, Power im US Metal Stil der 80er und NWOBHM Hörenswürdigkeiten verziert.  

Herausgekommen ist ein homogenes Album, das keinen klassischen Metal-Fan enttäuschen wird, es sei denn, man kommt, wie erwähnt, mit hohem Gesang nicht klar. „Vessel“ - ein Album, das fesselt !!