UNDILUTED - The Withering Path

Wenn eine Band den Eröffnungssong ihres Debutalbums „World's End“ nennt, steht uns bestimmt keine Gutelaune-Musik für den Sonntagsspaziergang ins Haus.

So ist es dann auch nicht verwunderlich, daß die deutsche Band Undiluted aus Limburg an der Lahn düster melancholische Musik spielt, die man gemeinhin als Doom bezeichnet. Aber auf dem ersten Album der Band, betitelt „The Withering Path“, wird weit mehr geboten, als die üblichen zähflüssigen Akkorde und Zeitlupen-Drums.

Undiluted, was so viel wie „rein, unverfälscht“ bedeutet, wurde ursprünglich von Hanzi Herrmann als Ein-Mann-Projekt gegründet. Ein Demo brachte er 2010 bereits heraus, mittlerweile zählen aber Rico Skerra (Drums) und Maxim Walter (bass) zum festen Line-Up, was Undiluted nun auch den Charakter einer richtigen Band beschert. Zusammen hat man ein grandioses, dramatisches Werk geschaffen.  

Denn bereits mit dem angesprochenen „World's End“ wird deutlich, daß „The Withering Path“ viel mehr ist, als ein weiteres (Funeral) Doom Album. Gleich vier Songs überschreiten die 9-Minuten-Marke und die restlichen zwei sind mit 7 und 8 Minuten nur unerheblich kürzer. Dies bedeutet, daß man viel Spannung in seinen Songs erzeugen muß, um bei diesen Längen nicht zu langweilen. Und das gelingt Undiluted zu jeder Zeit.  

Die Songs nehmen generell epische Ausmaße an, sind bespickt mit Melodien, elegischen Trauerrhythmen und dramatischen Wendungen. Die Musik ist langsam, sehr langsam, kann aber auch mal wie in „Yearning“ kurzzeitig ausbrechen und an Fahrt aufnehmen. Höhepunkt folgt auf Höhepunkt, es gibt wahrlich keinen einzigen Song, der nicht fesselt und dich gefangennimmt.  

Wenn da nicht der einzige, aber nicht unerhebliche Kritikpunkt wäre, der Gesang. Dieser wird von Hanzi selbst übernommen und wirkt ab und an leider deplaziert. Und zwar, wenn er die rauhe Tonlage auspackt, die eher bei Kick-Ass-Rock'n Rollern gut aufgehoben wäre, als bei einer Doom Band. Dieser Gesang zieht die Songs zwar nicht hinunter, ein passenderer Sänger würde aus den genialen Kompositionen allerdings noch viel mehr herausholen. Auch der Cleangesang erinnert eher an Gothic Kapellen. Lediglich die gesprochenen Passagen passen gut und bringen die Dramatik richtig gut rüber.  

Musikalisch ist bei Undiluted aber alles erste Sahne. Lamentierende, elegische Gitarren, prächtige Drumcollagen und stimmungsvolle, aber nicht überladene Basslinien erzeugen Stimmungen, die den Hörer fesseln. Ich habe das Album auch einmal per Kopfhörer beim Spaziergang durch eine von gefallenen Blättern durchzogenen Herbstwald gehört....funktioniert gut !  

Auch macht die Band nicht davor halt, ab und an eine an Neoprog-Bands erinnerde Synthesizer-Passage einzubauen, wie beispielsweise bei „World's End“ oder „From Time Immemorial“.

Der Spannungsbogen bleibt permanent hoch und lässt einen nicht los, bis der letzte Ton verklungen ist.

Highlights zu benennen ist zwecklos, das ganze Album ist voll davon. Herauszuheben für mich persönlich ist das grandiose „Drifting“, welches durch seine Melodien und seine Traurigkeit meterdicke Gänsehaut erzeugt.  

Ein bisschen erinnert mich die Musik von Undiluted an While Heaven Wept oder auch in manchen Momenten an Saviour Machine, die Band auf Doom zu reduzieren würde dieser aber nicht gerecht.  

„The Withering Path“ ist ein Wahnsinns-Album für Fans der langsameren Klänge und Menschen, die Gefühle zeigen können und dürfen. Wenn jetzt noch ein passender Sänger gefunden wird, steht uns für die Zukunft wahrhaft Großes bevor. Der Gesang gehört aber als gleichberechtigtes „Instrument“ zur Bewertung eines Albums dazu. Daher muß hier leider 1 Punkt abgezogen werden.

Man kann sich also vorstellen, was hier noch kommen könnte....Klasse !!


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