VERSENGOLD - Zeitlos

Kollege Rainer aus Hamburg bezeichnete Versengold auf Anfrage als Santiano light.

Das kann ich allerdings nicht bestätigen und auch nicht so ganz nachvollziehen. Denn im Gegensatz zu der gehypten Erfolgskombo, die auf den kommerziellen Markt von dritten Songschreibern zugeschnitten werden, wirken Versengold eher als Liedermacher, denn als Abziehbilder.

Die Bremer bezeichnen ihren Sound als neuen deutschen Folk und natürlich spielen Instrumente wie Flöten, Bodhran, Violinen, Mandolinen und und und eine gewichtige und tragende Rolle bei den selbstkomponierten, teils in den Lyrics zynischen Songs. Nachzuhören auf dem just erschienenen, neuen Album „Zeitlos“.  

Sänger Malte „Snorre“ Hoyer interpretiert zwischen leichten lyrischen Vocals in der Art eines Reinhard Mey (dies ist durchaus positiv gemeint) und rockigeren Vibes, wenn die Songs Fahrt aufnehmen. Sehr angenehme Stimme. Großer Wert wird auf wiedererkennbare Refrains gelegt, wie der Opener „Zeitlos“ und das nachfolgende „Ihr seid Musik“ bereits deutlich zeigen.  

Die Liedermacher-Affinität macht sich in ruhigeren Momenten wie „Frühlingsgruß“ oder „Wolken“ stark bemerkbar, hier spielen die Lyrics eine übergeordnete Rolle und die Begleitinstrumente sind lediglich....ja, Begleitung.  

Wie es sich für Bands mit hohem Folk Faktor gehört, dürfen freudige Feier-Songs wie „Hoch die Krüge“ nicht fehlen, denn trotz aller Ernsthaftigkeit soll ja der Spaß am Leben überwiegen.  

Hier steht im Gegensatz traurig anmutendes wie „Die Schönheit der Schatten“, eine folkloristische Elegie, die berührt und in der eine weibliche Stimme (Katja Moslehner von FAUN)  unterstützt. Auch „Die Namen von Millionen“ wird von gewisser Traurigkeit getragen und erinnert ein ganz klein wenig an Unheilig.

Das Album macht jederzeit Spaß und dürfte keinen Folk-/Mittelalter-Fan enttäuschen. Die Mischung aus schnellen Songs wie „Spaß bei Saite“, Fröhlichkeiten wie „Der Rubel rollt....“ und den violinlastigen Intrumentals „Luna's Reel“ und „Sol's Reel“, sowie den bereits erwähnten langsamen Stücken, funktioniert prächtig. Natürlich muß ein entsprechendes Faible für diese Art von Musik vorhanden sein, daß Versengold aber jederzeit mit dem Herzen bei der Sache sind, kann wohl kein Hörer der Band absprechen.  

Allerdings hätte man das Album mit einem flotteren Rausschmeißer abschließen können, als mit dem schnarchigen „Schlaflied“.

Sei's drum...Versengold bieten dem geneigten Hörer ein gutklassiges Folk-Album, welches um Klassen authentischer rüberkommt, wie die eingangs erwähnten Santiano. Ab und an wäre etwas Abwechslung sinnvoll gewesen, da sich der ein oder andere Song doch sehr ähnelt. Da aber auch die Aufmachung des Albums sehr liebevoll gestaltet wurde (zumindest das Digipack in Buchfom) darf man „Zeitlos“ als gelungen bezeichnen und die Musik von Versengold durchaus auch als zeitlos anerkennen. Folk-Fans dürfen zugreifen !!


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