VILLAINY - II: Dim

Ja...manche Alben sind wirklich sehr schwer zugänglich. Meist sind es aber solche Alben, die sich dann von der Masse abheben und mit der Zeit ihre wahre Kraft entfalten und dann nachträglich zumindest für längere Zeit im Gedächtnis bleiben.

Solch ein Album ist  „II: Dim“ von Villainy. Wie der Albumtitel verrät, handelt es sich hier um das zweite volle Album der Holländer. Aber, wer sind Villainy ? Nun, viel gibt die Recherche und Labelinfo nicht her. Nun, wie gesagt...es gab also schon mal ein Album zuvor („Villainy I“...fast logisch !!) und davor ein paar Demos. Da muß man schon Metal-Archives bemühen, um zu erfahren, daß sich diese holländische Formation aus drei Musikern zusammensetzt, wobei Sänger Reinier Vrancken auch noch die Gitarre bedient. Kein leichter Job, wie man weiß. Aber genauso geheimnisumwoben die spärlichen Infos über die Band sind, ist auch die Musik alles andere als leicht verdaulich.

Dabei beginnt alles ganz ruhig mit einem Instumental namens „A Familiar Wind“. Die Gitarre wird leidlich gezupft, es folgt eine recht fröhlich wirkende Passage, dann wird’s etwas härter, bleibt aber melodisch. Soviel der Einstieg.

Dann geht’s aber richtig los mit „Nebulous Chasm“. Schwer doomig, sehr tief gestimmte Gitarren. Auf melodische Gitarrenpassagen folgen Black Metal Blastbeats. Virtouses Black Geballer und on top gibt’s Vocals im besten Celtic Frost „Tom Warrior“-Stil inklusive „Ugh's“ !! Fantastisch. Plötzlich folgt ein Break, die Melodien kehren zurück in etwas dramatischer Art und alles endet mit einer witzig klingenden Gitarren-1-Ton-Rhythmusarbeit. Tja, da bleibt man erst mal platt zurück, ob der vielfältigen Sperrigkeit des Songs.

Auch „The View From My Ivory Tower“ lässt keine Verschnaufpause zu. Mit über 12 Minuten ist dieser gar ein wahrer Monolith im Kontext des gesamten Albums. Erneut beginnt das Teil recht doomig und in Gesangs- und Rhythmusarbeit erinnern Villainy erneut an Celtic Frost. Wenn auch an gemäßigtere Midtempo-Phasen der Band. Recht einfache Akkordfolgen, welche ihren Zweck dennoch erfüllen stehen gegenüber von bärenstarken Drums. Fünf Minuten vor Schluß erfolgt der Cut und der Song läuft mit heulenden Windgeräuschen der Bathory-Klasse aus. In dieser Länge aber eindeutig zu viel und langatmig.

Um Ihre Hörerschaft nicht dauerhaft zu überfordern, streuen Villainy immer mal kürzere Songs unter drei Minuten ein, um die Atmosphäre etwas zu lockern. So wie das fröhliche Instrumental „Dwaalspoor“ oder das rein spartanische Gitarrengezupfe von „Only I Have The Light of Lights“.  

Herzstücke sind aber natürlich die langen, sperrigen Tracks, welche die Story dahinter vertonen. In der Story geht es im Groben um drei Kapitel. Jedes Kapitel bekommt seine eigene Abhandlung, gipfelt aber jeweils in der konzeptionell philosophischen Frage nach dem Leben in all seinen Formen an sich. Schwer verdauliches also auch im lyrischen Bereich.  

Klar, daß hierbei auch mal wie bei „Jewel“ Kreischvocals teuflischer Art her müssen, welche etwas nach alten Bathory klingen. Dieser Song ist der abgründigst tiefste und schwerste und wird nur in den letzen zwei Minuten etwas flockiger. „Valley“ bietet dagegen Black Metal Geschepper, psychedelisches Geplänkel und wird erst gegen Ende hin langsamer, doomiger und läuft etwas langatmig aus.  

Die letzten vier Songs der Platte gehen alle nahtlos ineinander über. Wobei die Stücke „The Soul Is Untouched“ und „Inside Her Hide and Fire“ aufeinanderfolgend in die gleiche flotte, räudige Celtic Frost-Kerbe schlagen.  

„And The Gold of Rebirth“, sowie das abschließende „Herschapen“ fahren das Emotions-Hoch dann etwas herunter. Wirre Gitarrenpassagen gehen in melodischere über. Balladeske Töne in Verbindung mit spartanischer Zupfgitarre erledigen den Rest. Bevor es zum Schluß mit dem letzen Instrumental („Herschapen“) episch beginnt und mit elegischer Gitarre endet.  

Ein sehr interessantes Album, welches uns Villainy hier vorlegen. Fernab jeglicher Anbiederungen an Stile und Sounds kreiert das Trio seine eigene Musikwelt, die zwar basisch in Black-/Thrash-/Doom-Sphären schippert, aber viel mehr zu bieten hat, als diese Stile aussagen können. Ein Album, welches sich nicht sofort entfalten kann aufgrund seiner Sperrigkeit. Hat man aber Zugang gefunden, entfaltet „II: Dim“ seine ganze eindringliche Wirkung auf den Hörer.  

Beeindruckend !!

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