VIRGIN STEELE - Nocturnes Of Hellfire and Damnation

Melodisch - epischer Power Metal, das ist das Subgenre, in dem die Musik der US Boys von Virgin Steele verortet werden darf. Dennoch entdeckt man auch rockige Strukturen in den Songs, die Mastermind David DeFeis seinem Quartett für den neuesten Output auf den Leib geschneidert hat.

DeFeis lässt seine Stücke am Piano entstehen, arbeitet sie danach mittels der üblichen Instrumente Bass, Gitarre und Schlagzeug zu Metal Hymnen aus und schafft es so, daß seine Musik auch unplugged oder rein akustisch funktioniert.

Dennoch liegt mit "Nocturnes Of Hellfire And Damnation" kein relaxtes, ruhiges Album vor. Die Power drängt förmlich aus den Boxen nach vorne, präsentiert sich aber immer filigran und vielschichtig. Da fällt es schwer, einen besonderen Favoriten zu küren. Der als Basser, Keyboarder und Sänger omnipräsente David DeFeis hat mit den Gitarristen Edward Pursino und Josh Block Musiker um sich herum, welche die atmosphärisch dichten Kompositionen bzw Arrangements auf einem hohen Niveau umzusetzen verstehen.

Der Gesang des Masterminds variiert dabei zwischen verletzlich - klagend bis hin zu fauchend - bissig. Stücke wie "Lucifer's Hammer", "To Darkness eternal" oder "Devilhead" ziehen auch daraus ihren Reiz. Der nach eigener Einschätzung als "barbarisch - romantisch" bezeichnete Metal der New Yorker lebt also von vielerlei Einflüssen und schafft es auch durch Akkordwechsel und teils überraschende Breaks Duftmarken im leicht übersättigten Markt des Power Metal zu setzen.

Daß der 1981 gegründete Jungfrauen Stahl gelegentlich auch auf damalige Helden vom Schlage Iron Maiden verweist, ist legitim und zeigt, mit welchem Selbstverständnis die Truppe antritt. Dennoch sind die teilweise sinfonisch - klassisch untermalten Nummern von Virgin Steele immer als eigenständige Musik zu erkennen. "The Plague and the Fire" könnte als Blaupause für das soeben Beschriebene stehen. Fünf, sechs oder gar sieben Minuten lassen sich DeFeis und seine Mannen meist für ihre kleinen Epen Zeit und diese füllen sie mit reichlich farbenfrohen und melodischen Themen aus.  

Gegen Ende des Silberlings nehmen Virgin Steele etwas den Fuß vom Gas ("Delirium", "Hymns to Damnation", "Fallen Angels"), bleiben aber jederzeit bissig und aggresiv. Allerdings entsteht so ein wenig der Eindruck, daß dem Vierer von der Ostküste hinten raus die Puste ausgeht. Aus dramaturgischen Gründen hätten diese Songs sicherlich auch besser verteilt in das 14er Feld gepasst. Am Material an sich gibt es jedoch nichts auszusetzen.  

Bleibt am Ende also festzuhalten: Wer auf opulent ausgestatteten Dampfhammer Sound mit traditioneller Prägung steht, sollte hier zugreifen. Neben dem in dieser Review vorgestelltem Jewel Case gibt es auch noch ein um eine Bonus Disc erweiterte Digi Pack Version, sowie eine Gatefold Doppel LP inklusive CD. Und jede Version ist mit einem eigenständigen Artwork versehen.  


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