VLAD IN TEARS - Vlad in Tears

Neues gibt es von der Italien/Berliner Düsterkooperation Vlad in Tears. Eingefallen ist den Jungs dabei wohl kein geeigneter Albumtitel, so nennt man den Dreher halt einfach selbstbetitelt nach der Band. Man hat sich mittlerweile eine beachtliche Anhängerschaft erspielt, somit müsste eigentlich nur noch ein Album, das voll einschlägt folgen um der Band den nächsten Schritt auf der angestrebten Karriereleiter zu gewähren.  

Nach kurzem orientalischen Einstieg geht man gewohnt flott mit „Run or Fight“ zu Werke. So düster, wie die Herren sich visuell geben ist die Musik nicht, aber das ist vorher auch schon aufgefallen. Dies liegt hauptsächlich am Gesang von Kris Vlad, der doch sehr melodisch und eingängig ausfällt und hier die immer wieder genannten Vergleiche mit HIM doch etwas hinken.

Gothic Elemente ? - Ja, aber nicht in der Intensität, wie es andere Düsterkombos dunkel gruftig anstreben. Es sind eher die...ja...fröhlichen Vibes, die den Stil von Vlad in Tears mehr ins Poppige führen. Sei's drum, tanzbar ist das allemal, obwohl ich sagen muß, daß der erste Teil des Songs trotz flotten Arrangements gewisse Längen aufweist. Erst nach dem Break, welches die Fahrt abrupt stoppt, weiß der Song um so mehr zu gefallen.

„Feed on Me“ punktet mit einem schönen, eingängigen Refrain. Zwar versucht man mit härteren Industrial Parts den Song zu pushen, aber den Charme des Songs, jeder (dunkel gekleideten) Frau zu gefallen, legt man dadurch nicht ab. Dies ist aber nicht schlimm, sondern spiegelt in gewissem Maße auch das Womanizer Image der Band wieder. Die verzerrten Sprachfetzen hätte man sich alledings sparen können.

Erneut fernöstliche Töne erklingen zu Beginn von „Die Today“. Der Song ist um Klassen schräger als die beiden zuvor. Die industriellen Töne und der Electro Beat bringen wohl alle Gothic Kinder auf die Tanzflächen. Man sieht förmlich das Schwarzlicht flackern. Es wird krankhaft geschrien, geflötet, gewimmert. Ehrlich gesagt, mir gefällt's null. Dieses Stilelement kannte ich so von Vlad in Tears bisher nicht. Ok...kann man machen, muß nicht gefallen. Wird aber sicherlich seine Fans finden, die auch mit solch wirrem Zeugs umgehen können.

Umso schöner danach „Glad to be Dead“ zu hören. Zwar wird hier von Kris auch aggressiver intoniert, aber der Song ist eingängig genug um keinen Ohrenkrebs zu bekommen. Es werden verschiedene Sounds integriert, hier eine Synth-Guitar, hier kurz gezupfte Akkustik-Klampfe, orchestrale Backings und Schwarzheimer-Hintergrund-Gespräche. Aber trotz dem Bemühen um eine gewisse Komplexität geht der Song durchgehend ins Ohr und hat, auch wenn es der Songtitel nicht verheißen mag, einen positiven Touch.

Ähnlich gelagert ist auch „Burning Bright“, obwohl die erste Minute fast zu Tode langweilt. Hier wird auch verstärkt mit sogenannter Dark Voice gearbeitet, was dann doch tatsächlich zwangläufig zu HIM Tendenzen führt. Zwar ist der Refrain nicht zwingend genug, um hier einen Hit zu landen, aber dafür fällt hier erstmals das ausgezeichnete Drumspiel auf. Es hätte mehr aus dem Song werden können, weiß aber dennoch zu gefallen.

Als nächstes huldigt man sich mal selbst und nennt den Song schlicht „Vlad in Tears“. Zu Beginn sehr behäbig, luftig beschwingt, balladesk mit rotwein-geschwängerten Vocals wird daraus eine reine Dark Rock Ballade. Für meinen Geschmack etwas zu viel Programming, welches dem Song etwas die Seele nimmt. Schlecht gemacht ist der Song nicht, spärlicher instrumentiert hätte es aber ein echter Balladen Klassiker werden können. Kris leidet auf jedenfall herrlich melancholisch.

Sorry, aber teilweise schlimm wird’s dann bei „After Life“. Die tapsigen Synthgitarren, zusammen mit dem Hinterhof-Bar Gesang geht irgendwie gar nicht. Zwar kriegt man mit schrägen Arrangements dann noch etwas die Kurve, um nicht gänzlich durchzufallen, aber allen in allem eher ungenießbar.

Leider auch mit Effekten überladen wurde „Your Sign“. Hier wirkt irgendwie nichts mehr organisch, sondern nur noch hauptsächlich programmiert. An sich ist der Song nicht schlecht, daher umso ärgerlicher, daß man es doch oft mit Sound-Überfrachtungen übertreibt. Weniger ist oftmals mehr. In diesem Falle sicherlich wahr. Der Refrain kann zumindest gefallen, das Metalcore Gebrüll dagegen nicht.

Zum Glück ist „Kiss my Soul“ mit einem göttlichen Refrain gesegnet, so daß sich mein Gehör doch etwas beruhigt. Zwar wird auch hier nicht mit einem Tanzflächen-Soundteppich gegeizt, aber der Song steht im Vordergrund und somit erweist sich aller Industrial Bombast hier als songdienlich.  

Mit „Bleed Out“ folgt dann die zweite Ballade. Der ersten nicht unähnlich, agiert man hier aber weitaus gitarrenlastiger und steigert sich Schritt für Schritt zum Höhepunkt in Form von Kris leidendem Kreischgesang. Zwar einfach gestrickt, aber spannend inszeniert. Guter Song.

„Fade Away“ führt durch spärlich instrumentierter Bridge eher langweilig zum bombastigen Refrain. Das Riff zwischen den Zeilen kommt schön metallisch rüber und rettet den Song über den Refrain hinaus ins Ziel.

Wieder sind wir bei „No Time to Die“ in Fernost angelangt. Vlad in Tears scheinen ein neues Fable daür zu haben. Über nette Instrumentalparts und verzerrte Klagevocals mutiert der Song zum besten des gesamten Albums. Killer Refrain schön unterlegt mit symphonischen Synthies. Der Song strahlt eine gewisse Epik aus und zeigt, wozu Vlad in Tears fähig sind, wenn der Song im Vordergrund steht.

Das abschließende „My Way“ können wir uns getrost sparen. Frankie Boy würde sich im Grab umdrehen, würde er diese Version hören müssen. Der geneigte Rocker kann sich das zwar mal anhören, aber den Geist, den die Urversion versprüht, sollte man in Ruhe lassen und nicht seelenlos verdrehen, auch wenn es handwerklich gut gemacht ist.

Vlad in Tears haben mit dem neuen Album den eher rockigen Stil, den man noch mit „Welcome to Vladyland“ zelebrierte, fast komplett verlassen und mit neuen Stilmitteln (Industrial, Metalcore, Programming) versehen. Dadurch gibt es auf dem Album nur noch 2 oder 3 Songs, die auch auf dem Vorgänger hätten stehen können. Ich persönlich finde das schade, hatten Vlad in Tears vorher doch einen ganz eigenen Charakter. Meiner Meinung gibt sich die Musik heute viel zu überfrachtet mit Soundspielerein, Synthies und verzerrten Vocals, so daß vom Charme der Vergangenheit nicht mehr viel übrig ist.

Das Gehörte lässt mich dann doch eher zwiegespalten zurück. Zum einen gibt es den ein oder anderen tollen Song (immer dann wenn die Band songdienlich agiert), zum anderen aber auch Totalausfälle, die das Gesamtbild doch herunterziehen.  

Wie erwähnt wäre hier meiner Meinung nach weniger um einiges mehr gewesen....Ob sich Vlad in Tears mit ihrem neuen Stil durchsetzen können, werden die Fans beurteilen. 

 

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