WALTER PIETSCH - Once You Rock-Never Forget

Plattenfirmen, Marketinggesellschaften oder Künstler selbst neigen ja gerne dazu, aktuelle Soloprojekte-bzw. Alben mit den (evenutellen) Großtaten der Vergangenheit zu bewerben. Das ist an sich auch nicht weiter schlimm, doch leider wird die Erwartungshaltung der Zielgruppe dadurch oftmals zu stark in die Höhe geschraubt und das Dargebotene kann das Gewünschte nicht halten.

Nicht so bei Walter Pietsch. Der war Ende der 80er bis Mitte der 90er für Gitarre und Co-Songwriting bei den renommierten deutschen Hard Rockern Axxis in Lohn und Brot und hat solche Klassiker wie „Kingdom of the Night“, „Axxis II“ oder „The Big Thrill“ eingespielt. Nach seinem Ausstieg hörte man musikalisch nichts mehr von ihm, er produzierte lediglich einige Newcomer und war gemäß Label Info bei einem namhaften Hersteller der Audio Industrie beschäftigt.  

Jetzt ist Walter zurück und natürlich wird auch bei seinem ersten Soloalbum „Once You Rock-Never Forget“ auf seine Axxis-Vergangenheit hingewiesen. Und schon beim ersten Song „Deep Inside“ wird deutlich, daß er nichts verlernt hat und nach wie vor eine tolle, klassische Rock-Gitarre anschlägt. Der Song besitzt zudem eine sehr eingängige, gute Hookline. Alles in allem straight und rockig. Prima Hard Rock Nummer ohne süßlichen Firlefanz oder übertriebene Soloeskapaden.

Bei „The Window“ merkt man, daß Walter Pietsch nicht der größte Sänger unter der Sonne ist. Dies erwähnt er im Beiblatt auch selbst, aber auch wenn er manchmal etwas dünn rüberkommt, wie bei dieser Nummer....irgendwie passt der Gesang zu dem Gitarrenspiel und die soulig-bluesige Note im Timbre wirkt doch irgendwie sehr sympathisch. Melodien werden groß geschrieben, es wird immer mal eine nette Zutat wie Akkustikgitarre oder Orgelklang hinzu verabreicht, so daß die Songs nicht eintönig werden.  

Aber Walter kann's auch noch hart rockend wie der Titelsong „Once You Rock“ beweist. Der Refrain erinnert zuweilen an Meat Loaf und mit nettem Solo gesegnet ist der Song ein wahrer Riff-Rocker geworden.  

Auch eine alte Axxis-Nummer hat es auf's Album geschafft. „Fire and Ice“ von „Kingdom of the Night“ ist eine der reichhaltigen Balladen, die Axxis in ihrem Bandleben geschrieben haben, und sicherlich nicht die schlechteste. Zwar klingt die Pietsch-Version etwas harmlos, aber trotzdem gut umgesetzt.

Etwas ins Schmunzeln kommt man, wenn man den Songtitel „Kill the Schwachsinn“ hört. Auch die Lyrics zu dem Song sind...na ja...etwas banal und auch die Keyboards und Computersamples zwischendurch machen den Song zu einer eher zwiespältigen Angelegenheit. Ein flotter Hard Rocker mit gutem Solo, aber auch mit eben etwas kruden Auswüchsen. Für mich das schwächste Stück des Albums.  

Doch dies ist die einzige Ausnahme, der Rest überzeugt ausnahmslos. Immer getragen von Walter Pietsch's charakteristischem Gitarrenspiel und mit guten Songstrukturen. Mal mit dunkleren Vibes und düstererem Gesang wie bei „Kingdom's Sun“, mal leichter und luftiger wie bei „Let It Rain“ mit mehrstimmigem Gesang und Refrain. Immer die Melodien im Auge und wenn's bei „Unheard“ dann auch noch zugeht wie bei Van Halen der Frühphase, kann man gar nicht anders, als Walter Pietsch zu seinem Solo-Debut zu gratulieren. Mit „Epilogue“ klingt das Album dann eine halbe Minute lang ruhig aus.  

„Once You Rock- Never Forget“ ist kein Versuch von Walter Piesch seine Axxis-Vergangenheit wieder aufleben zu lassen, sondern ein sehr eigenständiges, (fast) durch die Band gut reinlaufendes Hard Rock Album, dem man genug Abwechslung spendiert hat, um den Hörer bei Laune zu halten.  

Sicherlich werden auch Axxis Fans an diesem Album Gefallen finden, da Walter die Axt noch genauso beherrscht wie früher. Aber dieses Etikett der Werbung benötigt Walter Pietsch definitiv nicht.


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