WARRANT - Metal Bridge


Eigentlich habe ich ja schon die ganze Zeit darauf, daß nach den gutklassigen Alben der deutschen Metal-Urgesteine Protector und Backwater auch Warrant (die deutschen, nicht die Amis !) auf der Bildfläche erscheinen. Jetzt ist es also soweit und nach fast 30 Jahren schiebt man den mittlerweile kultigen „First Strike“ (erste EP) und „The Enforcer“ (einziges Vollzeit-Album) eine neue Langrille namens „Metal Bridge“ nach.

Übriggeblieben bei den Düsseldorfer Speed-/Thrashern ist lediglich Sänger/Bassist Jörg Juraschek. Selbstredend ist dadurch eine Reunion mit altem Namen durchaus berechtigt aber auch immer mit Zweifeln behaftet.   

Nach erst gemächlichem, dann wildem Intro, macht bereits „Aslyum“ deutlich, daß man immer noch eine beachtliche Speedkante fährt. Jörg singt-kreischt sich immer noch in mittleren Höhen die Seele aus dem Laib, aber bereits der mehrstimmige Chorus und einzelne „Ho Ho Ho“-Chöre zeigen, daß man es hier eigentlich mit einer neuen Band zu tun hat, die auch melodischere, eingängigere Parts auffährt, als noch zu früheren Zeiten.

Vergleicht man beispielsweise den Drumsound von „The Enforcer“ und den neuen Alben, hört man überdeutlich, welche Entwicklung die Technik in den letzten 30 Jahren genommen hat. Druckvoll und mit Power zu Werke zu gehen ist gar nicht mehr so schwer (ok, druckvoll waren Warrant auch schon früher), dadurch verliert sich aber irgendwie der Charme alter Unbekümmertheit und positiver Aggression. Bestes Beispiel:  „Come and Get It“ - klasse Song, aber mit seinen vielen Tempowechseln und teils klarer Produktionslinien in der Neuzeit angesiedelt.

Daß man es mit überdurschnittlich guten Musikern zu tun hat zeigt beispielsweise „You Keep Me in Hell“. Mörder-Riffs, Drumsalven vom Feinsten und immer schön schnell in die Gehörgänge.  

Auch vom Songwriting hat man um Einiges zugelegt.

Am ehesten noch an den alten Warrant-Spirit erinnert beispielsweise ein Song wie „Face the Death“, abzüglich mehrstimmiger Gesangsparts. Speedmetal direkt auf die Mütze mit kauzigem Geshoute und ordentlich Schmackes.   

Dagegen ist aber ein Sond wie „All the Kings Horses“ alles andere als representativ für Warrant, da dieser doch zu sehr in Powermetal Refrains badet und nur teilweise als interessant durchgeht.

Auch „Nyctophobia“ wirkt im Refrain irgendwie naiv, aber der markante Gesang und einige hohe Screams an und an, retten Einiges.

Schnelle Abrissbirnen wie „Helium Head“ wissen aber ausnahmslos zu gefallen und können das Prädikat Warrant durchaus verdienen, auch wenn der Gitarrist um Klassen besser rifft als früher. Ein Speed-Knaller der Extraklasse !! Im Gegensatz zu früher ist die Musik von Warrant viel „fröhlicher“, was hauptsächlich an vielen Refrains liegt, die teilweise Melodic Metal Charakter aufweisen  (man höre sich nur „Immortal“ an). Die Musik wird aber sehr kompetent dargeboten und mit Jörg's Gesang bekommt man ja zumindest ein Trademark von früher geboten.

Mit „Ordeals of Death“ und „The Enforcer“ hat man zudem noch zwei Neuauflagen von Songs des Albums von 1985 aufgenommen, die am ehesten zeigen, wie Warrant früher klangen. Wenn auch in neuem, soundtechnisch aufgewertetem Gewand.   

Letztendlich kann man sagen, daß „Metal Bridge“ ein vorzügliches Metal-Album in der Schnittmenge Speed und purem Heavy Metal geworden ist. Die Songs wirken wie aus einem Guß und im Vergleich zu den am Anfang genannten Protector und Backwater ist man im Hier und Jetzt musikalisch um einige Längen voraus. Dafür bestitzen sowohl Protector, als auch Backwater mehr Authenzität zu früher, als es bei Warrant der Fall ist.

Geht man als Hörer, der vorher noch nie etwas von Warrant gehört hat, an „Metal Bridge“ heran, bietet sich einem ein klasse Metalalbum, daß fast keine Wünsche offen lässte. Die Hard Suppert alter Warrant von früher sollten vorher lieber mal erst ein Ohr riskieren. 


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