WHILE HEAVEN WEPT - Suspended at Aphelion

 

Nach dem Überwerk „Vast Oceans Lachrymose“ war ich von dem 2011'er Nachfolger „Fear of Infinity“ ein klein wenig enttäuscht, da zum einen das Album kaum 40 Minuten lang war und zum anderen lediglich der letzte Song „Finality“, gleichzeitig Longtrack des Albums, die gewisse Magie des Vorgängers versprühte. Der Rest war zwar gehobene Epic Metal Klasse, aber im Prinzip nur so etwas wie schmückendes Beiwerk auf dem Weg zum Finale.

Das neue Opus von Tom Phillips und Co ist nun auch gerade mal knapp über 40 Minuten lang, hört auf den Namen „Suspended at Aphelion“ und ist im Grunde ein einziger Song, unterteilt in 11 Parts.

Das Album war ursprünglich nicht als Konzept geplant, so Phillips, es hat sich lediglich im Nachhinein so ergeben. Fates Warning-Fan Tom Phillips zeichnet seit über 25 Jahren für die Musik von WHW verantwortlich und hat mit ex-Altura Fronter Rain Irving seit mittlerweile 3 Alben einen kongenialen Sänger in seinen Reihen, welcher diese Bezeichnung auch wirklich verdient.

Eingerahmt wird das Album vom einführenden „Introspectus“ und dem abschließenden „Retrospectus“. Ersteres weist mit seiner elegischen, eher traurigen Grundausrichtung bereits den Weg, wohin das Album führen wird. Dieses rein instrumentale, warme Intro teilt uns mit, daß WHW nur echte Musiker auffährt. In diesem Falle den Cellisten Mark Shuping und den klassischen Gitarristen Christopher Ladd. Mit Mark Zonder und Victor Arduini konnte Phillips zudem zwei ehemalige Musiker seiner Favoriten Fates Warning für das Album als Gastmusiker gewinnen.

„Icarus and I“ ist der erste, sehr atmosphärisch gehaltene Track, gespickt mit erhabenen Melodien. Die Gesangslinien von Rain Irving ähneln denen des Vorgängeralbums sehr. Kurz nach dem Refrain kommt jeweils ein kurzer Growl-Part zum Einsatz, welcher die Dramatik unterstreichen soll. Wer für diese Growls verantwortlich zeigt, entzieht sich aber meiner Kenntnis. Außergwöhnlich auch der ausufernde Keyboard Part, der an viele Neo-Prog Bands wie besipielsweise Arena oder Pendragon erinnert. Nicht umsonst hat man sich wohl im Keyboardbereich Unterstützung von Jason Lingle (ebenso ex-Altura) geholt. Gesang und Musik nehmen in den letzten zwei Minuten des Songs monumentale Auswüchse an. Sehr gelungen !

Und mit Akkustikgitarren im spanischen Stil geht es in „Ardor“ erst einmal weiter. Sehr ruhige, balladeske Nummer, zumindest die ersten zwei Minuten. Danach nimmt der Song Fahrt auf und ergießt sich in einer Soundwand, die dem typischen WHW Romantic Doom gerecht wird.  

„Heartburst“ beginnt mit einer feinen Piano-Passage. Rain haucht uns quasi die Lyrics entgegen. Tieftraurige Ballade, wie gemacht für die jetzt anstehenden tristen, grauen Tage, welche zum Ende hin aus seiner Lethargie ausbricht und mit einer gänsehauterregenden Gitarrenmelodie auswartet.

Mit „Indifference Turned Paralysis“ wird danach aber rechtzeitig zum Schlag ausgeholt, bevor es zu ruhig wird. Tierische Progmetal-Abfahrt, welche den Härtegrad des Albums schlagartig um mehrere Stufen nach oben treibt. Die Klasse jedes einzelnen Musikers kommt hier zum Tragen, auf Gesang wird verzichtet...und auch die Akkustik-Klampfe blitzt immer nur kurzzeitig auf. Sogar regelrecht blackmetal-artiges Drumscheppern ist zu vernehmen. Grandios !!

„The Memory of Bleeding“ lässt als 1 ½ minütiges Zwischenspiel danach wieder etwas verschnaufen. Piano und Gesang schmeicheln der Seele in bester Prog-Manier und bieten den perfekten Übergang zum ProgMetal Gewitter „Souls in Permafrost“. Frostig wirkt hier aber nichts. Vielmehr werden hier die Tonleitern in jeglicher Form bemüht, was den Song unordentlich, sprich leicht chaotisch wirken lässt. Der mehrstimmige Refrain sorgt aber für die nötigen Harmonien, somit im Kontext des Ganzen gesehen ein wichtiger Teil des Albums, welchem ein leicht Avantasia-mäßiger Abschnitt mit Namen „Searching the Stars“ folgt.

Erneut akustisch mit den entsprechenden Streichern versehen erhebt sich die „Reminiscence of Strangers“. Das Gitarrensolo bewegt das Gemüt und strotzt nur so vor Melodie, ufert dann danach übergehend in „Lifelines Lost“ aus. Unterstützt von Background-Keyboards der erneuten Neo-Prog-Klasse. Am mehrstimmigen Gesang merkt man, daß man sich auf das Finale des Albums zubewegt. Ganz großes Pathos und ganz großes Epic Kino.

Das eingangs erwähnte „Retrospectus“ beschließt das Album, wie es begonnen hat. Traurig, elegisch, aufwühlend.

„Suspended at Aphelion“ muß zwingend als Gesamtkunstwerk gesehen werden, da jeder Song in den anderen übergeht und das eine Puzzlesteinchen jeweils auf das andere aufbaut. Es fehlen Hits  der Marke „Vessel“ oder auch „Finality“, dafür bekommt man einen 40-minütigen Songkoloss spendiert, der ständig mit den Gefühlen des Zuhörers spielt. Somit bleibt bei eben diesem Zuhörer das Gehörte nachhaltig im Ohr und dafür kann man Mainman Tom Phillips wahrlich gratulieren.

Dem einen mag es manchmal eventuell etwas zu ruhig zugehen, die einzelnen Songs dienen aber dem Ganzen. Über eine Liveumsetzung bin ich gespannt, da man normalerweise das Album komplett spielen muss. Einzelne Teile live werden nicht funktionieren.

Es bleibt also spannend, genauso wie dieses neue, extrem tolle Album von While Heaven Wept !!

 

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