WHITE MANTIS - Fukkin Demo (EP)

Ich dachte immer, „weiß“ wäre die Farbe der Reinheit, der Schönheit...ja, der Unschuld. Trotzdem machen schon immer auch „weiße“ Tiere die Rock-Szene unsicher, wie beispielsweise Whitesnake, White Lion, WhiteWolf oder White Tiger. Alles Tiere, die man so als relativ gefährlich einstufen würde, wenn man auf sie trifft. Auch die Gottesanbeterin genießt solch einen Ruf, auch wenn sie lediglich ein Insekt ist (wenn mich meine biologischen Kenntnisse nicht täuschen !) und ihre Gefährlichkeit lediglich gegenüber anderem Kleinvieh bewirkt. Nichtsdestotrotz wird die Gottenanbeterin oder die Art ihres Aussehens immer wieder gerne für Horror-Szenarien oder alien-artige Umsetzungen als Vorlage genommen.

Somit durchaus nachzuvollziehen, warum sich die 2012 gegründete, bayerische Thrash-Formation White Mantis nach diesem Insekt benennt. Man schaue sich nur das liebevoll gezeichnete Artwork ihrer ersten EP „Fukkin Demo“ an und ihr wisst, was ich meine. Dieses Review läuft bei uns als erste EP und nicht als Demo, auch wenn der Name etwas anderes suggeriert.

Die Münchner bevorzugen hauptsächlich den Thrash Metal teutonischer Art aus den 80er/Anfang 90er Jahren, schielen aber auch immer wieder mal mit einem Auge auf die Bay Area Großtaten von einst.  

Man beginnt mit heftig speedigem Thrash der Destruction Klasse und beweist beim Songtitel „My Favourite Chainsaw“ durchaus Humor. Mit einigen Punkanleihen durchsetzt schreddert man in wahnsinnig anmutender Weise (man höre nur das dreckige Lachen zwischendurch) völlig kommerzfrei durch den Opener. Sänger Matthias Pletz besitzt ein durchaus thrash-affines Schreiorgan und erinnert hin und wieder an Schmier (Destruction, you know ?). Nebenbei sorgt er auch noch zusammen mit Andre Krimbacher für Gitarrengewitter, welches nicht immer in der Spur liegt und manchmal (bewußt ?) danebenholzt.  

Auch „Singularity“ ist noch recht schnell, hier kommen zum ersten Mal die genannten Bay Area Huldigungen zum Tragen. Testament kommen einem in den Sinn und auch der Gesang tendiert mehr zu Chuck Billy denn dem schillen Kreischgesang des Eröffnungs-Songs. Basser Stefan Weihe und Drummer Boris Kannowski rühren ordentlich Zement an und bilden ein solides Soundfundament auf dem sich Gesang und Gitarre(n) mit reichlich Schmackes entfalten können.  

Schleppender, aber nicht minder wuchtig, geht es bei „The Seer“ zu. Die Bandinfo spricht bei White Mantis auch von Voivod-Einflüssen. Nun ja...wenn dann am ehesten bei diesem Song. Der Song ist etwas komplexer und nicht so leicht zugänglich wie der Rest und auch der Gesang wirkt gepresster denn geschrien, mit reichlich Hall unterlegt. Ja...die Band lässt sich durchaus was einfallen und durchblicken, welch gute Musiker doch am Werke sind.  

Die schnelle Abriss-Keule wird abschließend nochmal bei „Nuclear Assassin“ rausgeholt. Erneute leichte Punkeinflüsse und Destruction-/Protector Wahnsinn lassen den Kreis schließen.  

Egal ob Demo oder erste offizielle EP....White Mantis liefern ein feines Statement ab, daß abseits der Schickeria in der bayerischen Hauptstadt auch ordentlich abgethrasht werden kann. Zwar muß die Band noch etwas ihren eigenen Stil finden, zeigt aber, daß man sich in verschiedensten Thrash-Stilen beheimatet fühlt und somit zukünftig ein beachtliches Repertoire bieten kann.  

Die Thrash-Gottesanbeterin tritt auf den Plan...und das ganz in weiß. Ihr seid gewarnt !! 


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