WUCAN - Sow The Wind

Es ist immer wieder erstaunlich, was für Album-Perlen als Empfehlung auf meinem Tisch landen. Jüngstes Beispiel – WUCAN, Retro-Rock aus der sächsischen Landeshauptstadt Dresden. Da werden Erinnerungen an den guten alten Ost-Rock wach, ich kann meine Herkunft eben nicht verleugnen. Über das Gründungsdatum sind sich das Mädel und die Jungs wohl nicht so ganz einig. Auf der Facebookseite wird zum Einem der Dezember 2011 (Annonce in der Hochschulzeitschrift) angegeben. Zum Anderen der 17. Januar 2012, an dem die erste Probe war. Wie auch immer. Seit September liegt nun der silberfarbene Erstling vor.

Als der Opener “Father Storm” startet, reibe ich mir erst mal die Augen, oder besser die Ohren, Querflöte und Dresden, da war doch was! Das klingt verdammt nach Electra in den Anfangsjahren. Mit Bernd Aust an der Flöte. Dann setzt der Gesang von Francis Tobolsky ein, die auch für die Flötentöne zuständig ist. Was hat diese Frau für einen Blues in der Stimme, dies  lässt mich  sofort an Avatarium und Jennie-Ann Smith denken. Die harten Gitarrenriffs und das Flötenspiel dominieren den Song. “Owl Eyes” klingt zunächst ein wenig nach Industrial, wird dann aber zu einem wahren Riffmonster. Zu eingängigen Gitarrenhooks und kraftvollem Gesang gibt es eine Reihe von Melodie- und Rhythmus-Wechseln. Dadurch erhält der Song eine leicht proggige Schlagseite. “Looking In The Past” beginnt mit Flöte und akustischen Gitarren, bevor das Schlagzeug und später dann auch elektrisch verzerrte/verfremdete Gitarren einsetzen. Dazu hektisch klingende Gitarrenrhythmen. Die Sphärenklänge stammen vermutlich vom Theremin, einem elektronischen Musikinstruments. Auch dieser Song ist proggig angehaucht.

“Face In The Kraut” beginnt ruhig mit Akustikgitarre, die später dann Unterstützung ihrer elektrischen Geschwistern bekommt. Ein ruhigerer, doomiger ja psychedelisch klingender Song, auch dann wenn später die Gitarren so richtig braten.“King Korea” startet dann noch ruhiger, mit akustischen Gitarren und dezent eingesetztem Schlagzeug. Francis Stimme wechselt zwischen kraftvoll und zerbrechlich klingend. Später kommen dann erneut die e-Gitarren und die Flöte à la Jethro Tull bzw. Electra dazu. Das Gitarrenspiel wird zunehmend doomiger, bevor der Song akustisch anklingt. Der Schlusssong ist mit seinen fast sechzehn Minuten der längste des Albums (mehr als ein Drittel der Gesamtspielzeit). Es ist auch der einzige Song, der in Deutsch gesungen wird. Nach einer zerbrechlichen klingenden einführenden Gesangspassage, setzt eine sehr rhythmische und eingängige Gitarrenmelodie ein, dazu dann wieder die Flöte, wie sie in den späten 60er / frühen 70er Jahren in Ost und West häufig zum Einsatz kam. Das Wechselspiel zwischen Gitarre und Flöte ist einfach riesig. Diese Viertelstunde wird dank ständiger Melodie- und Rhythmuswechsel nie langweilig. Soundmalerei mit Stimme und Elektronik sorgen auch hier für einen psychedelischen Retro-Sound. Später wird dann aus dem 4. Mantra der Sri Isopanisad zitiert, einem Buch der ISKCON, unterlegt vom Bass und sphärischen Klängen.

Oh Mann, beim Anhören dieses Albums werde ich an meine Jugendjahre erinnert, an Bands wie Jethro Tull, Electra, Birth Control oder auch Lift, die wesentlich zu meiner musikalischen Sozialisierung beigetragen haben. Ich denke, ich muss zu Hause mal wieder die alten Platten raussuchen und anhören. Der Sound liegt zwar fernab von dem, was ich normalerweise höre, aber diese Urwüchsigkeit, diese unverkrampfte Rückbesinnung an die Woodstock-Ära hat mich einfach nur begeistert. 


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