WYTCH HAZEL - Prelude

Sie klingen kauzig, die Jungs von Wytch Hazel aus Lancaster. Laut Presseveröffentlichung wildern die Anfang-Zwanziger in den Retro-Sounds von vor 40 Jahren bis zur NWOBHM. Kein Wunder, daß Manilla Road die Band mal mit auf Tour genommen hat. Denn...wie Manilla Road klingen Wytch Hazel auch zeitweise.

„Prelude“ heißt das Debut und ist somit nach einer 4-Track-EP und ein paar Demos das erste richtige Lebenszeichen der Heavy Rocker. Mit „Freedom Battle“ zeigt man dann auch gleich wohin die Reise lyrisch geht. In den Songs geht’s um Schlachten, Krieger, Könige...episch eben und somit kein Wunder, daß auch NWOBHM Einflüsse zum Tragen kommen.  Nach einem Thin Lizzy-typischen Einstieg nimmt einen gleich der kauzige Gesang von Mainman Colin Hendra gefangen. Nicht so nasal wie sein Pendant bei Manilla Road, Mark Shelton, aber doch vergleichbar. Musikalisch verwurstet man Seventies-Rock-Vibes als straighten Schlachten-Song. Guter Einstieg.

Nach einem kurzen Marsch-Intro mit Gitarrenunterstützung bekommt man dann bei „Fight“ diese Galoppel-Leads zu hören, wie sie auch bei frühen Iron Maiden zu einem der Trademarks führten. Ein erster Querverweis zur NWOBHM also. Anders bei „Mighty King“, dessen verspieltes Gitarrenintro zu epischer Langsamkeizt und kauziger Austrahlung führt. Auch „More than Conquerors“ setzt diese Wytch Hazel Hauptinspiration fort. Heavy Rock mit folkigen Elementen, episches Ausmaß und retro-würdige Sounds.  

Was völlig anderes präsentiert die Band mit „Psalm“. Eine schöne Ballade mit mehrstimmigem Gesang, die betört wie ein...ja...Psalm. Auffällig bei diesem Song außerdem die ganz starken Akkustik-Gitarren. Ab diesem Zeitpunkt wenden Wytch Hazel das Blatt etwas. Akkustik-Gitarren werden immer häufiger eingebaut. So auch bei dem rein instrumentalen Titelstück „Prelude“, welches aber mit mächtigen Tom-Tom Drumsounds eine mystische Überleitung in rockigere Gefilde erfährt. Bei diesem Song sticht der Folk-Anteil, den die Band immer wieder einbaut, heraus.  

Bei „He Shall Reign“ überzeugt eine immer wieder kehrende, tolle Gitarrenmelodie, die Gänsehaut verursacht. Beginnt der Song noch recht hardrockig mit mehrstimmigem Refrain, wird’s nach einem Break ungleich ruhiger. Man endet aber dennoch mit eine Rock-Riff als wahrer Stampfer.

Bis zum Ende des Albums ändert sich nicht mehr viel. „Dark Ages“ versprüht einen leichten Singer-Songwriter-Stil, „“Wytch Hazel“ läuft ziemlich rockig auf, 70er-lastiger Stoff, der allerdings durch einen tumben Refrain mit Ho-Ho-Ho-Gesang ein Eigentor schießt. Minuspunkt. Zum Glück reißt's „We Will Be Strong“ zum Schluß noch einmal raus mit seiner Epik, Gitarren-Drums-Folk-Parts und Thin Lizzy-Leads. Ein toller, straighter Slow-Rocker.

Irgendwie macht „Prelude“ Spaß. Wytch Hazel kommen trotz ihres kauzigen Auftretens sympathisch rüber und die Songs wirken durchdacht und flüssig. Natürlich zitiert die Band viele Retro-Sounds aus Zeiten als Wishbone Ash, Thin Lizzy und Angel Witch ihren Anfang nahmen und den epischen Anstrich inklusive Battle-Lyrics bringen auch Manilla Road ins Spiel. Aber das macht alles nix, denn die Songs funktionieren wie aus einem Guß. Wer Abstriche im Sound machen kann und generell auf den Sound vergangener Tage steht, darf gerne bei Wytch Hazel zugreifen. Der moderne Metaller lässt besser die Finger weg.


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