XANDRIA - Theater Of Dimensions


Autor:
  MC Lucius

Bewertung:  8 / 10


Tracklist:

  • Where The Heart Is Home
  • Death To The Holy
  • Forsaken Love
  • Call Of Destiny
  • We Are Murderers (We All)
  • Dark Night Of The Soul
  • When The Walls Came Down (Heartache Was Born)
  • Ship Of Doom
  • Ceili
  • Song For Sorrow And Woe
  • Burn Me
  • Queen Of Hearts Reborn
  • A Theater Of Dimensions


VÖ:  27.01.2017

Label:  Napalm Records

Eines gleich vorweg: Wer sich auf die neue Xandria Scheibe einlässt, sollte gut gewappnet sein. Episch, majestätisch, orchestral und mit jeder Menge Soundtrack Attitüde knallen die 13 Mini Opern aus den Boxen. Hier wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. Und zwar mit voller Breitseite. Dabei schrecken die Bielefelder mit ihrer niederländischen Frontfrau vor Nichts und Niemandem zurück. Schon das Filmscore - lastige Intro in "Where The Heart Is Home" zeigt deutlich, wohin die Reise geht. Mit Dianne van Giersbergen scheint das ostwestfälische Symphonic Metal Unternehmen nun die Sängerin gefunden zu haben, die perfekt in die Strukturen der Band zu passen scheint. Ihr Sopran ist natürlich das vordergründigste Merkmal im aufwändig arrangierten Sound des Fünfers. Dabei kann sie die Komplexität ihrer Stimme auch mal auf Normalmaß zurücksetzen, wie im leicht thrashigen "We Are Murderers (We All)", einer Anklage an die Menschheit, die allzu sorglos sich und ihre (Um)Welt zerstört, zu hören ist.

Auch finden sich wiederum folkige Elemente in der Musik von Xandria. So zu hören in "Forsaken Love" mit nicht zu leugnenden Celtic Elementen. "Dark Night Of The Soul" ist eine wohltuend reduziert arrangierte Piano Power Ballade mit Gothic Rock / Dark Rock Anleihen. Hier führt Produzent Joost van den Broek die Band straight auf den Punkt. Das ist auch gut so, nicht dass das allzu üppig zubereitete Mahl irgendwann auf den Magen schlägt.

Was "Céilí" angeht, wage ich mal eine kühne These. Es würde mich wenig überraschen, wenn Santiano dieses Instrumental Stück mit einem Text versehen und in ihr Programm aufnehmen würden. Auch so ein wenig Mike Oldfield auf seiner Celtic Folk Scheibe "Voyager" schimmert da durch. Der kürzeste Track auf der Platte (3:21) setzt sich dadurch ein wenig vom großen Rest des Silberlings ab. Hörenswert.

Gesangstechnisch wird Frau van Giersbergen von Björn "Speed" Strid (Soilwork), Ross Thompson (Van Canto), Henning Basse (Firewind / MaYan) und Zaher Zorgati (Myrath) unterstützt, die ihre Stimmen effektiv mit einbringen.

Eine Überraschung halten Xandria in "Burn Me" bereit, wenn im Mittelteil aus heiterem Himmel arabische Klänge ertönen. Auf einem Souk oder einem ähnlichen orientlischen Markt wähnt man sich bei der Musik der Band nämlich eigentlich nicht.

Den Abschluß der Scheibe bildet das Titel gebende "A Theater Of Dimensions", über 14 Minuten lang und - wie bei diesem Titel und dieser Länge zu erwarten -  das Opus Magnum unter den 13 Stücken. Nach einem verhaltenen, im Intro kammermusikalisch angereicherten Beginn, wird zunehmend Spannung aufgebaut. Frontstimme und Chor schaukeln sich, unterstützt von Geigen und Trompeten einerseits, sowie der Band andererseits, hoch um kurz darauf pure Theater Stimmung zu verbreiten. Die Dimensionen dieses Theaters sind riesig, gigantisch. Hier könnte man sich genauso gut im Nightwish Kosmos wiederfinden. A propos: Fans der Finnen, die immer noch Tarja Turunen nachtrauern, werden von Xandria bestens bedient. Ob Bielefeld oder Kitee - die bombastischsten Opera Metal Klänge kommen aus eher unscheinbaren Städten.

Doch Vorsicht: Hier wird dick, sogar sehr dick aufgetragen. Einfacheren oder gar angeschlagenen Gemütern ist dieses Album in eher homöopathischen Dosen zu verabreichen. Dreizehn Songs mit einer Spielzeit von gut 74 Minuten sind für den ein oder anderen Hörer vielleicht doch zu viel. Ein, zwei Stücke weniger hätten es wohl auch getan. Doch dies ist Jammern auf hohem Niveau. Xandria ist mit "Theater Of Dimensions" ein großes Album gelungen. Mal sehen, was sie sich noch für die Zukunft aufgehoben haben.

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