ZANDELLE - Perseverance

Der Vorgänger „Flames of Rage“ der Power-/Prog-US Metal Band Zandelle aus New York war ein außerordentlich gutes Metal Album in der Schnittmenge eben von Power Metal mit starken Progressiv-Elementen und US Metal der alten Schule. Über allem thronte der damalige Abschlußsong „Eradicated Existence“ mit über 12 Minuten.

Einen solchen Longtrack finden wir auf dem neuen Album „Perseseverance“, welches nun 6 Jahre später erscheint, nicht. Soviel sei schon mal verraten. Aber trotzdem toppt der Dreher den Vorgänger sogar noch um Längen, auch wenn man den Einstieg ins Album komischerweise versemmelt.  

Bereitet das 2 ½ minütige Intro „Resurgence“ mit düsteren und organistischen Klängen den Weg noch sehr stilvoll, hängt man mit „Unending Fortitude“ zwar die erste Singleauskopplung gleich hintendran, diese fährt aber zu sehr im Fahrwasser von Kapellen wie Hammerfall, Rhapsody of Fire und Co. Dies verdeutlichen nicht zuletzt die Chöre, welche die eigentliche Hammerstimme von Mastermind George Tsalikis etwas in den Hintergrund schiebt. Zwar haben wir es hier mit einer eigentlich feinen Uptempo-Nummer epischen Ausmaßes zu tun und souveräne Gitarrenläufe von TW Durfy sowie furiose Keyboardeinlagen von Josh Tuckman verdeutlichen bereits hier das außergewöhnliche Können der Band, aber man lehnt sich halt eben zu sehr an bekannte Strukturen der genannten Power Metal Größen an.  

Gleiches gilt für das folgende „Lycanthrope“, daß zwar schon galoppierende US Metal Gitarrenläufe beinhaltet, aber dennoch die Chöre zu stark in den Vordergrund stellt. Den Refrain darf man aber schon als erstklassig bezeichnen.

„Shadow Slaves“ kippt dann noch eine Schippe Kamelot dazu, zumindest was die Vocals angeht. Doch man merkt von Song zu Song die Steigerung und das ungewöhnlich hohe Songwriting-Niveau von George Tsalkikis, der unumstritten den Weg der Band vorgibt.

Doch mit „End Game“ passiert es dann....das Album springt urplötzlich auf Weltklasse-Niveau.  

Klasse Gitarrensequenzen, untermalende Keys und ein George Tsalikis, der endlich auf der totalen US Metal Schiene brilliert. Ein begnadeter Vokalist ohne Zweifel. Und der spannende Aufbau des Songs welcher in tollen Zwie-Gesängen gipfelt beinhaltet Melodien und Hamonien, die unweigerlich Gänsehaut verursachen. Auch Drummer Joe Cardillo peitscht nun richtig nach vorne. Ein Song, welcher sich nicht nur unweigerlich im Gehirn einbrennt, sondern auch auf sehr lange Zeit dort verweilen könnte. Aus solchen Songs werden, wenn die Umstände günstig sind, Klassiker der Metal-Geschichte.

Und das Album fällt jetzt nicht mehr ab und es gibt keinerlei Schwächen mehr zu vermelden. Das etwas orientalísch angehauchte „Beyond the Point“ gibt etwas Mystik preis und die nachhallenden Vocals besitzen richtige Vibes, die man zu jederzeit abnimmt.  

„Innocence Lost“ - Ballade....ja, vielleicht. Spanische Gitarren zu Beginn, entwickelt sich der Song in bester Crimson Glory Manier (remember „Lonely“ ?). Auch leichte Queensryche Parallelen sind auszumachen.  Der Song nimmt im Refrain rasantere Züge an und glänzt mit melodischen, von sphärischen Keys unterlegten Passagen. Hier ist nichts Kitsch oder Sweetness.....das ist ganz große Kunst und wer diese Gefühlswelt nicht selbst erlebt, wird’s niemals verstehen.

Der ProgMetal Faktor wird mit „Midnight Reign“ wieder etwas erhöht, diesmal spielt man aber in einer eigenen Liga. Anders als noch zu Beginn des Albums. Der US Metal lastige Gesang von George passt viel besser und die Chöre kommen mystischer und nicht mehr plakativ zum Tragen.  

Zwar geht auch mit dem Titelsong „Perseverance“ etwas die Eingängigkeit der Album-Mitte flöten, aber dafür überzeugt man mit tollen Gesangsmelodien und einem überirdischen Refrain. Hier sind ganz große Musiker am Werk, das kann keiner mehr leugnen. Fantastisch !!

„Avenger of the Fallen“ holt zu Beginn etwas zum Melodic-Metal Schlag aus mit einer tollen Eröffnungsmelodie und Keyboards, die fast schon Neo-Prog Züge annehmen. Am ehesten lässt sich dieser Song vielleicht mit Dokken der „Under Lock and Key“-Phase vergleichen, besitzt aber genügend eigene Züge, welche nicht zuletzt dem Gesang zu verdanken sind. Alles in allem der eingängigste Song und klarer Anwärter für eine weitere (Hit-)Singleauskopplung.  

Mit „Revengeance (From the Ashes)“ gibt es zum Ausklang zwar keinen Longtrack wie beim letzten Mal, aber trotzdem nochmals 7 Minuten feinster Zandelle-Kost. Piano zu Beginn, ruhiger Gesang und dann geht’s los. Es scheint in der Gitarrenarbeit etwas die eiserne Jungfrau durch, darf es aber auch ruhig. Denn Zandelle setzen sich selbst so sehr in Szene, daß solche kurze Querverweise nicht ins Gewicht fallen. Der Song selbst ist gespickt mit vielen Breaks, so daß trotz der relativ großen Länge erst gar keine Langeweile aufkommt.  

Ich verstehe nicht, wie man den Einstieg mit den ersten Songs so verbauen kann. Denn, was ab „End Game“ passiert, ist mit Worten fast gar nicht zu beschreiben. Hier hat man es spätestens ab da mit einem Weltklasse Album und kommenden Klassiker zu tun. Dieses fünfte Album von Zandelle ist sicherlich deren Referenz-Werk und ich frage mich, wie man das demnächst noch steigern will.

Vielleicht mit Weltklasse schon in den ersten drei Songs ?  Wir werden sehen....


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